{"id":2965,"date":"2026-10-16T14:43:48","date_gmt":"2026-10-16T12:43:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/?page_id=2965"},"modified":"2026-10-16T14:43:48","modified_gmt":"2026-10-16T12:43:48","slug":"2026-27","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/stoffe\/2026-27\/","title":{"rendered":"2026\/27"},"content":{"rendered":"<h2>SCHWIMMEN GEGEN DEN STROM | BRENDA AKELE JORDE<\/h2>\n<p>Als Kind schlich sich Amine in Benin gegen das Verbot seiner Eltern ans Wasser und w\u00e4re dabei fast ertrunken. Die Angst blieb, ebenso die \u00dcberzeugung, Schwimmen sei etwas f\u00fcr Wei\u00dfe. Erst mit 45 Jahren wagte er sich in Berlin ins Becken. Heute leitet er dort eine Schwimmgruppe f\u00fcr Schwarze Menschen.\u00a0 Ihre Angst vor dem Wasser ist oft tief verwurzelt: Viele haben Angeh\u00f6rige oder Freund*innen durch Ertrinken verloren. Einige sind \u00fcber das Mittelmeer geflohen und haben dort traumatische Erfahrungen gemacht. Gemeinsam lernen sie, sich dem Wasser anzuvertrauen. Amine will verstehen, warum so viele Schwarze Menschen nie schwimmen gelernt haben. Dabei st\u00f6\u00dft er auf eine kollektiv verdr\u00e4ngte Vergangenheit von Kolonialismus und Versklavung, die auch in der Gruppe neue Perspektiven auf Herkunft, K\u00f6rper und Selbstbild er\u00f6ffnet. Er selbst bereitet sich auf die Travers\u00e9e vor: f\u00fcnf Kilometer im offenen Meer von Dakar zur \u00cele de Gor\u00e9e. Von dieser Insel wurden einst unz\u00e4hlige Menschen in die Versklavung verschleppt. Wer heute dorthin schwimmt, erinnert auch an sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>KIND DER UTOPIE | <b>KONRAD SCHLAICH<\/b><\/h2>\n<p>Abends sitzen in der K77 alle gemeinsam am Tisch: rund 25 Erwachsene und Kinder, die sich Kochdienste, Duschen und Entscheidungen teilen. Afras Eltern haben das Haus in der Kastanienallee 1992 mitbesetzt. Heute erinnert es mitten im gentrifizierten Prenzlauer Berg an eine Zeit, in der solche Projekte keine Seltenheit waren. Afra (18) ist hier mit vielen Erwachsenen als Bezugspersonen aufgewachsen. Das Leben im Kollektiv hat sie gepr\u00e4gt, doch nach dem Abitur will sie ausziehen. Sie f\u00fchlt sich von den \u00c4lteren eingeengt und sucht ein Leben mit mehr finanzieller Sicherheit als das ihrer Eltern. Ihr Vater Christoph (60) sieht das Haus als sein Lebenswerk und hofft, dass die Kinder des Hauses eines Tages zur\u00fcckkehren, denn die Gemeinschaft altert. Zwischen Hausprojekt und erster Studenten-WG erz\u00e4hlt das Portr\u00e4t davon, was von einer Utopie bleibt, wenn sie in die Jahre kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SCHWIMMEN GEGEN DEN STROM | BRENDA AKELE JORDE Als Kind schlich sich Amine in Benin gegen das Verbot seiner Eltern ans Wasser und w\u00e4re dabei fast ertrunken. Die Angst blieb, ebenso die \u00dcberzeugung, Schwimmen sei etwas f\u00fcr Wei\u00dfe. Erst mit 45 Jahren wagte er sich in Berlin ins Becken. Heute leitet er dort eine Schwimmgruppe f\u00fcr Schwarze Menschen.\u00a0 Ihre Angst vor dem Wasser ist oft tief verwurzelt: Viele haben Angeh\u00f6rige oder Freund*innen durch Ertrinken verloren. Einige sind \u00fcber das Mittelmeer geflohen und haben dort traumatische Erfahrungen gemacht. Gemeinsam lernen sie, sich dem Wasser anzuvertrauen. Amine will verstehen, warum so viele Schwarze Menschen nie schwimmen gelernt haben. Dabei st\u00f6\u00dft er auf eine kollektiv verdr\u00e4ngte Vergangenheit von Kolonialismus und Versklavung, die auch in der Gruppe neue Perspektiven auf Herkunft, K\u00f6rper und Selbstbild er\u00f6ffnet. Er selbst bereitet sich auf die Travers\u00e9e vor: f\u00fcnf Kilometer im offenen Meer von Dakar zur \u00cele de Gor\u00e9e. Von dieser Insel wurden einst unz\u00e4hlige Menschen in die Versklavung verschleppt. 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