{"id":1314,"date":"2017-04-27T11:14:05","date_gmt":"2017-04-27T09:14:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1314"},"modified":"2018-05-23T13:26:15","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:15","slug":"das-thema-entsteht-ueber-die-begegnung-mit-einem-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/das-thema-entsteht-ueber-die-begegnung-mit-einem-menschen\/","title":{"rendered":"\u201eDas Thema entsteht \u00fcber die Begegnung mit einem Menschen\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><em>In seinem Dokumentarfilm ,,Freier Mensch&#8220; und dem H\u00f6rst\u00fcck \u201eJiyujin &#8211; Freier Mensch\u201c portr\u00e4tiert Andreas Hartmann den 22 Jahre alten Kei, der sich gegen den Wunsch seiner Eltern f\u00fcr ein Leben auf den Stra\u00dfen Kyotos und somit gegen die gesellschaftlichen Leistungsanforderungen entscheidet.\u00a0<\/em><em>Kei hat gro\u00dfes Interesse an der klassischen Musik, die den eher in sich gekehrten jungen Mann immer wieder in Traumwelten abschweifen l\u00e4sst. Schnell muss er sich jedoch, aufgrund von Geldmangel, auf die harte Realit\u00e4t einlassen und \u00fcbernimmt schlecht bezahlte Jobs. Schlie\u00dflich zieht er zur\u00fcck zu seiner Familie und arbeitet im Stra\u00dfenbau.<\/em><!--more--><\/h3>\n<h3><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1316\" src=\"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/FiniaThiele-400x267.jpeg\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/FiniaThiele-400x267.jpeg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/FiniaThiele-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/FiniaThiele-840x560.jpeg 840w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/FiniaThiele.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/>Andreas Hartmann ist der erste Stipendiat, der im Rahmen der doku.klasse einen Stoff f\u00fcr die H\u00f6rfunk und die Fernsehauswertung realisiert hat. Was f\u00fcr einen Filmemacher diese mediale Parallelaktion in der konkreten Arbeit bedeutet, hat die doku.klasse-Teilnehmerin Finia Thiele in einem Interview mit dem Berliner besprochen, das wir hier ver\u00f6ffentlichen. <\/p>\n<p> <\/em><\/h3>\n<h3><em>Film und H\u00f6rst\u00fcck stehen weiterhin zur Nachlese in den Mediatheken von <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/ursendung-reihe-18-plus-jiyujin-freier-mensch.958.de.html?dram:article_id=368432\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutschlandradio Kultur<\/a> und<a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=61734\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> 3sat<\/a> zur Verf\u00fcgung.<br \/>\n <\/em><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wieso hast du dich zus\u00e4tzlich zu deinem Film f\u00fcr das H\u00f6rst\u00fcck als weiteres Medium entschieden, um Keis Geschichte zu erz\u00e4hlen?<br \/>\n <\/strong>Als mich das Deutschlandradio Kultur gefragt hat, ob ich aus dem Stoff auch ein H\u00f6rst\u00fcck machen m\u00f6chte, war ich sofort begeistert. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sich die Geschichte des freien Menschen sehr f\u00fcr ein H\u00f6rst\u00fcck eignet und dass sich Keis innere Gedankenwelt sehr gut in diesem Medium transportieren l\u00e4sst. Au\u00dferdem habe ich es als Herausforderung gesehen. Ich fand es reizvoll, mich mal in einem anderen Medium auszuprobieren und die Geschichte nur auf der Tonebene zu erz\u00e4hlen. Das Radiofeature ist mit seinen 55 Minuten etwas l\u00e4nger als der Film und da das Bild wegf\u00e4llt, bietet sich mehr Raum f\u00fcr Text und Dialoge. Ich wollte im Feature inhaltlich nochmal tiefer in das Thema einsteigen.<\/p>\n<p><strong>Du hast den Film und das Feature mit Begleitung durch die doku.klasse erstellt. In welchen Punkten hat dich die Zusammenarbeit am meisten beeinflusst?<br \/>\n <\/strong>Die einzelnen Punkte kann ich gar nicht genau benennen. Die Zusammenarbeit mit der doku.klasse, von der Stoffentwicklung bis zur Schnittphase, war einfach insgesamt f\u00fcr das ganze Projekt sehr bereichernd. Es war f\u00fcr mich wahnsinnig hilfreich, direktes Feedback von einem potentiellen Publikum zu bekommen, das gleichzeitig auch der Generation meines Protagonisten angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Die Erz\u00e4hlung im Feature wird an manchen Stellen durch eine Frauenstimme verst\u00e4rkt. Was soll diese repr\u00e4sentieren?<br \/>\n <\/strong>Es sind chorische Stellen bestehend aus vier Stimmen. Wir h\u00f6ren Kei im japanischen Original, Tino Mensel als Kei im deutschen Voice Over und Eva Meckbach und Arnd Klawitter als innere Stimmen, welche entweder die Eltern oder die Gesellschaft repr\u00e4sentieren sollen. Hiermit wollte ich die Pr\u00e4senz der Eltern und der Gesellschaft, sowie ihre Erwartungen verbildlichen und sp\u00fcrbar machen.<\/p>\n<p><strong>Auch in Deutschland rei\u00dfen viele Jugendliche von zu Hause aus und verweigern sich dem Bildungssystem. Was hat dich dazu bewogen, dein Projekt in Japan zu realisieren? Und h\u00e4tte es theoretisch auch in Deutschland verwirklicht werden k\u00f6nnen?<br \/>\n <\/strong>Ja, das stimmt. Theoretisch w\u00e4re es auch m\u00f6glich gewesen in Deutschland einen Film zu diesem Thema zu machen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich meine Filme in der Regel nicht nach Themen aussuche, sondern nach Protagonisten. In der Regel ist es so, dass ich erst auf einen interessanten Protagonisten sto\u00dfen muss, bevor ich mich dazu entscheide, einen Film zu drehen. Das Thema entsteht sozusagen \u00fcber die Begegnung mit einem Menschen. F\u00fcr diesen Menschen muss ich eine gewisse Empathie sp\u00fcren, um mich dann f\u00fcr einen Film zu entscheiden. Genauso war es auch bei Kei.<\/p>\n<p><strong>Konntest du dir einen Eindruck davon machen, ob es in Japan h\u00e4ufig zu derartigen Gesellschaftsausbr\u00fcchen kommt oder w\u00fcrdest du Kei eher als Einzelfall bezeichnen?\u00a0<br \/>\n <\/strong>Kei ist kein Einzelfall, aber eine Seltenheit. Derartige Gesellschaftsausbr\u00fcche sind eher ungew\u00f6hnlich in Japan. Aber sie kommen nat\u00fcrlich vor. Dort wo die Gesellschaft hohe Erwartungen an einen stellt, brechen die Menschen auch aus.<\/p>\n<p><strong>In einem Gespr\u00e4ch mit der doku.klasse hast du erz\u00e4hlt, dass du den Protagonisten selbst, ohne gro\u00dfes Kamerateam, gefilmt hast, wodurch eine gewisse Intimit\u00e4t entstanden sei. Inwieweit hast bzw. konntest du dadurch Einfluss auf den Verlauf und die Dramaturgie nehmen?<br \/>\n <\/strong>Ich denke man nimmt als Filmemacher durch seine Anwesenheit immer Einfluss auf die Realit\u00e4t. Man tritt in eine Interaktion mit dem Protagonisten und beeinflusst sich dadurch gegenseitig, auf ganz nat\u00fcrliche Weise. Mein Leben ist anders seit ich mit Kei gedreht habe und Keis ist sicher auch anders seit unseren Dreharbeiten. Ich denke schon, dass ich die Dramaturgie beeinflusst habe. In gewisser Weise sehe ich das auch als meine Aufgabe als Filmemacher. F\u00fcr mich zeigt ein Dokumentarfilm keine objektive Realit\u00e4t, sondern erz\u00e4hlt eine Geschichte aus der subjektiven Perspektive des Filmemachers. Ich sch\u00e4tze, dass ich allein gedreht habe, hat mir dabei geholfen, mich richtig auf Kei und auch auf mich selbst einzulassen und dadurch wirklich die Geschichte zu finden, die ich erz\u00e4hlen wollte.<\/p>\n<p><strong>In deinem Film k\u00f6nnen wir sehr verschiedene Reaktionen auf Keis Lebensstil beobachten. Wie w\u00fcrdest du pers\u00f6nlich den Umgang zwischen Gesellschaft und Menschen wie ihm beschreiben?<br \/>\n <\/strong>Ich war \u00fcberrascht, wie offen die Menschen ihm und seinen Freunden unter der Br\u00fccke gegen\u00fcber waren. Ich konnte in Japan zwischen den Menschen sehr gro\u00dfen Respekt beobachten. Solang man sich selbst respektvoll verh\u00e4lt, wird man auch von seinen Mitmenschen mit gro\u00dfem Respekt behandelt. Trotz der leistungsorientierten und von Konformit\u00e4t gepr\u00e4gten Gesellschaft, gibt es in Japan meiner Meinung nach eine gro\u00dfe Toleranz und Akzeptanz f\u00fcr die Realit\u00e4t des jeweils anderen.<\/p>\n<p><strong>Auch in seiner Rolle als Obdachloser ,,Jiyujin&#8220; (Freier Mensch) f\u00fchlt sich Kei nicht komplett frei. Siehst du f\u00fcr ihn \u00fcberhaupt eine Nische, in einer solchen durch Arbeit gepr\u00e4gten Gesellschaft wie der japanischen, die ihm ein erf\u00fclltes Leben bieten kann?<br \/>\n <\/strong>Die Nische sehe ich schon. Und ich w\u00fcrde mir auch f\u00fcr Kei w\u00fcnschen, dass er eine Arbeit innerhalb seiner Interessen findet. Zum Beispiel hat er einmal ge\u00e4u\u00dfert, dass er gerne in einer Selbstversorger-Gemeinschaft auf dem Land leben w\u00fcrde. Um einen Platz in seiner Nische zu finden, braucht es nat\u00fcrlich etwas Lebenserfahrung, Zeit und auch ein paar R\u00fccklagen. Man muss wissen, was man will und was man kann und braucht dann die Freiheiten, dies auch umsetzen zu k\u00f6nnen. Kei ist ja noch sehr jung. Ich denke er braucht einfach noch ein bisschen Zeit.<\/p>\n<p><strong>Am Ende scheint es, dass Kei dem Druck nicht standhalten kann. Er zieht zur\u00fcck in sein Elternhaus und sucht sich eine Arbeit. Mit welchem Gef\u00fchl hast du deine Arbeit mit Kei beendet?<br \/>\n <\/strong>Mit einem recht guten. Ich hatte den Eindruck, dass Kei mit der Situation zufrieden ist. Er hat versucht, sich innerhalb der festen Strukturen kleine Freiheiten zu suchen, die ihn gl\u00fccklich machen. Au\u00dferdem glaube ich, dass er durch die Zeit auf der Stra\u00dfe sehr gereift ist, was ihm einen neuen Blick auf die Dinge geben l\u00e4sst. Er konnte sich von den Zw\u00e4ngen und Erwartungen seiner Eltern und der Gesellschaft losrei\u00dfen. Das war schon mal ein gro\u00dfer Schritt. Aber ich denke nicht, dass er f\u00fcr immer in der Asphaltfabrik bleiben wird. Sicher plant er schon neue Abenteuer. Aber zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe m\u00f6chte er nicht mehr, soviel hat er mir verraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Dokumentarfilm ,,Freier Mensch&#8220; und dem H\u00f6rst\u00fcck \u201eJiyujin &#8211; Freier Mensch\u201c portr\u00e4tiert Andreas Hartmann den 22 Jahre alten Kei, der sich gegen den Wunsch seiner Eltern f\u00fcr ein Leben auf den Stra\u00dfen Kyotos und somit gegen die gesellschaftlichen Leistungsanforderungen entscheidet.\u00a0Kei hat gro\u00dfes Interesse an der klassischen Musik, die den eher in sich gekehrten jungen Mann immer wieder in Traumwelten abschweifen l\u00e4sst. Schnell muss er sich jedoch, aufgrund von Geldmangel, auf die harte Realit\u00e4t einlassen und \u00fcbernimmt schlecht bezahlte Jobs. 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