{"id":1563,"date":"2018-01-25T13:33:43","date_gmt":"2018-01-25T11:33:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1563"},"modified":"2018-05-23T13:26:14","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:14","slug":"es-ist-total-spannend-nur-zuzuhoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/es-ist-total-spannend-nur-zuzuhoeren\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist total spannend, nur zuzuh\u00f6ren\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Rosa Hannah Ziegler hat im Rahmen der Kooperation zwischen der doku.klasse und Deutschlandfunk Kultur eine H\u00f6rst\u00fcckfassung ihres Films \u201eDu warst mein Leben\u201c realisiert. Entstanden ist eine intensive H\u00f6r-Reise der beiden Protagonistinnen Yasmin und Eleonore zueinander. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt die Regisseurin, was sie am Tonschnitt faszinierte und warum f\u00fcr sie die Einschr\u00e4nkungen des Mediums H\u00f6rfunk teilweise eine gr\u00f6\u00dfere Freiheit bedeuteten.<\/strong><\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie war es f\u00fcr dich als Filmemacherin, ohne Bilder und nur mit Ton zu arbeiten?<br \/>\n <\/strong>Ich musste mich erst einmal daran gew\u00f6hnen, weil ich bei der H\u00f6rfunk-Bearbeitung der Texte nach dem Filmschnitt nat\u00fcrlich immer noch die Bilder vor Augen hatte. Dann aber fand ich heraus, dass es total spannend ist, nur die Sprachebene zu haben, nur zuzuh\u00f6ren, weil das Raum f\u00fcr innere, eigene Bilder l\u00e4sst und eigene Fantasien zum Geh\u00f6rten erm\u00f6glicht. Was mich an der Arbeitsmethode beim H\u00f6rfunk, also am Tonschnitt stark faszinierte, war die M\u00f6glichkeit einer viel st\u00e4rkeren Komprimierung des Gesagten als beim Filmschnitt. Man sieht den Tonschnitt ja nicht und muss keine R\u00fccksicht auf Montagegesetze nehmen.<\/p>\n<p><strong>Spielte sich durch die Fokussierung auf die Sprach- und H\u00f6rebene in deiner Vorstellung ein zweiter Film ab \u2013 mit anderen Bildern als den existierenden?<br \/>\n <\/strong>Durch die ausgeweitete Erz\u00e4hlung entstehen nat\u00fcrlich Bilder im Kopf. Dass sich aber bei dem H\u00f6rst\u00fcck ein v\u00f6llig anderer, zweiter Film abspielte, kann ich nicht sagen, da ich in der \u00c4sthetik, in der Montage des Materials mein Prinzip, ganz direkt und nah bei den beiden Frauen zu sein, nicht ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Vielleicht h\u00e4tte der \u201ezweite Film\u201c eine andere L\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1533\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_5276-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" \/>Wie war die Zusammenarbeit mit dem Toningenieur und der Redaktion? <br \/>\n <\/strong>Sehr gut. Ich fand es erstaunlich, mit welcher Akribie der Toningenieur beispielsweise\u00a0 durch bestimmte Filter die Stimmung unterst\u00fctzt, wie stark er sich in das Ambiente hineingef\u00fchlt hat. Es brauchte etliche Umstellungen und K\u00fcrzungen, bis das ganze Material dann die finale Form angenommen hatte. Es war ja mein erstes Feature, und ich hatte den Prozess als weniger umfangreich und komplex eingesch\u00e4tzt. Mit der Redakteurin Jenny Marrenbach gab es da eine enge Zusammenarbeit, die sehr konstruktiv und hilfreich war,\u00a0 ich konnte einiges von ihr lernen. Es gab nicht viele Vorgaben, vielmehr stellte sich die Frage, wie man das Tonmaterial so anordnen kann, dass es sich zu einer nachvollziehbaren Geschichte zusammenf\u00fcgt, die trotz des schweren Themas auch eine Identifikation erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Viele Aufnahmen finden sich auch im Film, du arbeitest in der H\u00f6rfunkfassung aber auch mit neuem, anderem Material. Wie gingst du bei der Auswahl und Komposition vor?<br \/>\n <\/strong>Es ging darum, ein eigenst\u00e4ndiges H\u00f6rst\u00fcck entstehen zu lassen, das die Essenz des Films wiedergibt, den Grundkonflikt \u2013 aber mit der M\u00f6glichkeit, zus\u00e4tzliche T\u00f6ne einzubinden, die dem Zuh\u00f6rer die Geschichte nahe bringen. In \u201eDu warst mein Leben\u201c hatte ich mich im Gegensatz zu meinen fr\u00fcheren Filmen f\u00fcr eine sehr puristische L\u00f6sung entschieden. Ich bin bei den beiden Frauen geblieben, um den Zuschauern die Gelegenheit zu geben, sehr direkt an der Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter teilnehmen zu k\u00f6nnen, und deren Verzweiflung und Hoffnung auf Ann\u00e4herung zu zeigen.<\/p>\n<p><strong>Das H\u00f6rst\u00fcck beginnt damit, dass Yasmin und Eleonore mit der F\u00e4hre nach Borkum fahren. War ein solcher Anfang auch eine diskutierte Variante f\u00fcr den Film?<br \/>\n <\/strong>Ja, es gab die Idee, sie erwies sich aber als weniger stark, sie h\u00e4tte auch schlicht Filmzeit gekostet. St\u00e4rker schien mir f\u00fcr den Film, wie gesagt, mich auf den Dialog der beiden zu konzentrieren und sie nur in der Ferienwohnung am Meer zu zeigen \u2013 um den Konflikt dadurch erlebbar zu machen, und das ohne Hintergrundinformationen, durch die der ZuschauerInnen schnell werten k\u00f6nnte oder Vorurteile entstehen k\u00f6nnten. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erf\u00e4hrt das Publikum nun mehr und kann sich eine eigene Meinung bilden. Das war mir sehr wichtig. Beim H\u00f6rst\u00fcck, das auch mit kurzen Zwischentexten arbeitet, war ich bewusst weniger puristisch. Es braucht so etwas wie H\u00f6rbilder, um die Zuh\u00f6rerInnen daf\u00fcr zu gewinnen, an dieser Reise der beiden Frauen zueinander teilnehmen zu k\u00f6nnen. Und da es auch eine innere Reise ist, habe ich daf\u00fcr zus\u00e4tzliche T\u00f6ne aus ihrer Umgebung verwendet, um Stimmungen herzustellen und zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Die Zwischentexte sind ausgesprochen poetische Beschreibungen von Situationen und Stimmungen, fast literarische Miniaturen im dokumentarischen Material. Welchem Konzept bist du dabei gefolgt? <br \/>\n <\/strong>Zuerst wollte ich durch die Zwischentexte, die anf\u00e4nglich sehr viel l\u00e4nger waren, so etwas wie Ortsbeschreibungen machen, damit die Zuh\u00f6rerInnen genau orten k\u00f6nnten, wo sich das Ganze abspielt. Wir kamen dann an den Punkt: Weniger ist mehr. Inzwischen bin ich total \u00fcberzeugt von der verknappten Form, sie l\u00e4sst den H\u00f6rerInnen mehr Luft, sie k\u00f6nnen das Gesagte und Beschriebene mit ihrer eigenen Fantasie erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nntest Du dir nach deiner Erfahrung jetzt vorstellen, weitere H\u00f6rst\u00fccke zu machen?<br \/>\n <\/strong>Warum nicht? Ich h\u00f6re selbst gerne Radio. Und dieses Medium ist f\u00fcr mich eine Bereicherung, weil man dadurch noch ein ganz anderes Publikum erreichen kann.<\/p>\n<p><strong>\u201eDu warst mein Leben\u201c wurde letztes Jahr in der doku.klasse noch als Stoff <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1161 alignright\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_0273_klein-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_0273_klein-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_0273_klein-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_0273_klein-840x560.jpg 840w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_0273_klein.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>diskutiert. Jetzt ist der Film fertig, es gibt ein H\u00f6rst\u00fcck \u2013 wie denkst du im R\u00fcckblick \u00fcber deine Tage in Duisburg?<br \/>\n <\/strong>Ich erinnere mich an Reaktionen von Sch\u00fclerInnen, das waren wichtige, gute Impulse. Es wurde damals auch diskutiert, ob man so eine brisante Situation, die ja auch sehr intim ist, filmen sollte. Mein oberstes Gebot, behutsam und respektvoll mit Eleonore und Yasmin umzugehen, wurde dadurch noch mal verst\u00e4rkt. Die Zuschauerreaktionen nach der Ver\u00f6ffentlichung best\u00e4tigten dann, dass es ein Gewinn ist, einen Einblick in das schwierige Leben der beiden Frauen zu bekommen und daran teilhaben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Feature <em>Was sagt mir Eleonore<\/em> steht zum Nachh\u00f6ren in der <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/reihe-18-plus-was-sagt-mir-eleonore.958.de.html?dram:article_id=396336\">Mediathek<\/a> von Deutschlandfunk Kultur bereit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rosa Hannah Ziegler hat im Rahmen der Kooperation zwischen der doku.klasse und Deutschlandfunk Kultur eine H\u00f6rst\u00fcckfassung ihres Films \u201eDu warst mein Leben\u201c realisiert. Entstanden ist eine intensive H\u00f6r-Reise der beiden Protagonistinnen Yasmin und Eleonore zueinander. 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