{"id":1749,"date":"2018-10-31T17:28:09","date_gmt":"2018-10-31T15:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1749"},"modified":"2018-10-31T17:58:59","modified_gmt":"2018-10-31T15:58:59","slug":"larger-than-life","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/larger-than-life\/","title":{"rendered":"Larger than life"},"content":{"rendered":"<h3>\u201eDas ist eine sehr, sehr starke Geschichte\u201c, so das erste Feedback der doku.klasse zum Treatment von Joakim Demmer und Verena Kuri, \u201eDie Tochter von \u2026\u201c. Eine junge Frau, deren Mutter von Menschenh\u00e4ndlern entf\u00fchrt wurde, als sie noch ein Kleinkind war. Und eine Gro\u00dfmutter, die in ihrem beharrlichen Kampf um Aufkl\u00e4rung kriminelle Netzwerke zu Fall brachte und zur Ikone der argentinischen Frauenrechtsbewegung wurde.<\/h3>\n<h3><!--more--><\/h3>\n<p>Wie in aller Welt soll sich so ein ausufernder Stoff in einem 30-Min\u00fcter unterbringen lassen? Und wie soll die 19-j\u00e4hrige Protagonistin Micaela, die \u201eTochter von\u201c, darin gen\u00fcgend Raum bekommen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1755 alignright\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_2537-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2537-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2537-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2537.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Co-Regisseur Joakim Demmer begegnet den fragenden Gesichtern in der Gruppe mit Pragmatismus. Ja, klar, das ist schon alles \u201elarger than life\u201c. Aber die Vorgeschichte kann man im Film auch kurz fassen, meint er. Eine M\u00f6glichkeit: Micaela selbst k\u00f6nnte sie zu Beginn des Films erz\u00e4hlen, \u201edirekt in die Kamera, 30 Sekunden, zack, fertig\u201c. Dann bliebe Zeit, um sich den vielen anderen Ebenen zu widmen, die der Stoff in sich tr\u00e4gt. Die Vielschichtigkeit reizt Demmer: Dass es nicht nur um die dramatische Familiengeschichte geht, sondern auch um die argentinische Frauenbewegung. Vor allem aber interessieren ihn die existentiellen Fragen, die Micaela umtreiben: Wer bin ich? Und welche Rolle nehme ich in meinem Leben ein?<\/p>\n<h4><strong>Raum f\u00fcr Ambivalenz<\/strong><\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1758\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_2606-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2606-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2606-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2606.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Hier liegt der dringlichste Vorbehalt der doku.klasse: Wenn Micaela doch darunter leidet, als \u201eDie Tochter von &#8230;\u201c wahrgenommen zu werden, sollte man dann dieses Etikett im Titel verwenden? \u201eIst das nicht too much?\u201c Kommt drauf an, findet Demmer, der Titel kann ja durchaus auch ironisch gelesen werden. Vorrangig ist f\u00fcr ihn, dass Micaela die M\u00f6glichkeit bekommt, die Form des Films mitzugestalten, dass sie Gelegenheit hat, sich selbst zu inszenieren. \u201eNur so k\u00f6nnen wir den Film machen, oder: Nur so haben wir Lust darauf.\u201c Aus Micaelas Perspektive soll sichtbar werden, wie sie mit Rollen experimentiert, ihre eigene Haltung sucht \u2013 im Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach einem normalen Leben und dem Anspruch, das Erbe der Gro\u00dfmutter anzutreten und den Feminismus in Argentinien voranzutreiben.<\/p>\n<h4><strong>Vom Hass der M\u00e4nner gegen die Frauen erz\u00e4hlen<\/strong><\/h4>\n<p>Der Film soll deutlich machen, dass es um strukturelle Gewalt gegen Frauen geht und nicht um einen einzelnen Kriminalfall. Die mafi\u00f6sen Strukturen, mit denen die Familie es aufgenommen hat, sind in ihrem Alltag pr\u00e4sent, sie steht immer wieder unter Personenschutz, erh\u00e4lt Drohanrufe. Eine Idee ist, solche Telefonate f\u00fcr den Film mit Schauspielern nachzustellen, um die Atmosph\u00e4re der Gewalt zu vermitteln.<\/p>\n<p>Die Frauenbewegung in Argentinien ist kein akademisches Projekt, betont Demmer, es geht um ganz konkrete Gesetzes\u00e4nderungen. Susana, die Gro\u00dfmutter von Micaela, hat viele der T\u00e4ter in den Knast gebracht, hat Gerechtigkeit erzwungen in einem Land, in dem das selten vorkommt. Auch die gesellschaftliche Erfahrung verschwundener Angeh\u00f6riger ist in Argentinien ein gro\u00dfes Thema, hier steht Susanas Kampf in einer traurigen Tradition.<\/p>\n<h4><strong>Der Film als Katalysator<\/strong><\/h4>\n<p>Das Filmemachen begreift Demmer auch als eine Art Dienstleistung, um Prozesse und Entwicklungen anzusto\u00dfen. Den Schnittprozess beschreibt er wie die Geburt eines merkw\u00fcrdigen Kindes, das irgendwann anf\u00e4ngt, sich selbst zu formen. \u201eDas ist das Tolle an dieser Arbeit.\u201c Umso schmerzhafter aber, wenn man daran scheitert \u2013 \u201edann sitzt man da mit diesem h\u00e4sslichen Kind\u201c. Ob ihm f\u00fcr \u201eDie Tochter von &#8230;\u201c eine bestimmte Form vorschwebt, um Jugendliche anzusprechen?<\/p>\n<p>Nein, Demmer findet, der Film sollte f\u00fcr Erwachsene und junge Leute\u00a0 gleicherma\u00dfen\u00a0 funktionieren. Aber braucht es nicht doch schnelle Schnitte, kompakte Formate, hippe Musik, um eine junge Zielgruppe zu erreichen? Die doku.klasse ist sich uneins. \u201eIch finde es sogar gef\u00e4hrlich, das junge Publikum darauf festzuschreiben\u201c, widerspricht eine Teilnehmerin. \u201eImmerhin sitzen wir ja auch alle hier.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1754\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_2426-800x800.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2426.jpg 800w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2426-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2426-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_2426-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas ist eine sehr, sehr starke Geschichte\u201c, so das erste Feedback der doku.klasse zum Treatment von Joakim Demmer und Verena Kuri, \u201eDie Tochter von \u2026\u201c. 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