{"id":1769,"date":"2018-11-29T12:09:35","date_gmt":"2018-11-29T10:09:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1769"},"modified":"2018-11-29T13:10:21","modified_gmt":"2018-11-29T11:10:21","slug":"das-grenzenlose-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/das-grenzenlose-ich\/","title":{"rendered":"Das grenzenlose Ich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die doku.klasse \u00f6ffnete w\u00e4hrend des doxs!-Festivals wieder die T\u00fcren ihres Ateliers. Mit <em>Anja und Serjoscha<\/em> und <em>Mein letztes Video<\/em> wurden zwei Filme gezeigt, die im Rahmen der aktuellen 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c entstanden sind. Sie erz\u00e4hlen von Strategien der Selbstverwirklichung, zwischen denen Welten liegen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Drei Performer auf unterschiedlichen Planeten. Hier Anja und Serjoscha im S\u00fcdosten der Ukraine, die nur 25 Kilometer von der Frontlinie entfernt leben und gegen das Grau und die Gewalt schr\u00e4ge politische Aktionen setzen. Dort der YouTube-Star Anton, der genug hat von kurzen, schnelllebigen Clips und in den Hollywood-Hills nach einer neuen Herausforderung sucht. Auf der einen Seite eine Selbstverwirklichung voller Begrenzungen, auf der anderen ein grenzenloses Ich. Karge Perspektiven gegen ein cooles Powerleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>\u201eAnja und Serjoscha haben eine gro\u00dfe Kraft.\u201c (<\/em><em>Ivette L\u00f6cker)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Filme <strong>Anja und Serjoscha<\/strong> und <strong>Mein letztes Video<\/strong>, die beide im Rahmen der 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c entstanden sind, erz\u00e4hlen vom Jungsein unter fast kontr\u00e4ren Bedingungen. Und doch verbindet die Protagonisten eine Sehnsucht nach Ver\u00e4nderung. Sie sind im Aufbruch. Anton, der seit seinem 13. Lebensjahr unter dem K\u00fcnstlernamen \u201eReyst\u201c Videotageb\u00fccher auf YouTube ver\u00f6ffentlicht und regelm\u00e4\u00dfig von bis zu einer halben Million Abonnenten gesehen wird, sucht nach einem neuen Format f\u00fcr seine Kreativit\u00e4t und tr\u00e4umt von einer Karriere als Filmregisseur. Anja und Serjoscha reiben sich an der Gesellschaft, provozieren, stellen Konventionen und Stereotypen in Frage. Sie nehmen sich das Recht heraus, auch in einer politisch und wirtschaftlich hochfragilen Situation \u00fcber Sexismus zu diskutieren, Ideen zu entwickeln und frei und verr\u00fcckt zu sein.<\/p>\n<p>\u201eAnja und Serjoscha sind so zart und verletzlich, haben aber gleichzeitig auch diese gro\u00dfe Kraft. Sie wollen etwas erreichen. Was genau, wissen sie noch nicht, aber sie geben nicht auf\u201c, sagte Regisseurin Ivette L\u00f6cker nach der Vorf\u00fchrung ihres Films im Duisburger filmforum. Ihr war es wichtig, den Krieg nicht zum Hauptthema zu machen. \u201eDie Jugendlichen wollen sich nicht jeden Tag mit dem milit\u00e4rischen Konflikt in ihrer N\u00e4he besch\u00e4ftigen. Sie haben ihre eigenen Probleme und Ziele und wollen manchmal einfach nur Spa\u00df haben.\u201c In einer Szene besuchen Anja und Serjoscha ein Konzert der ukrainischen Band \u201eDakh Daughters&#8220;, Superstars in ihrem Land. Die beiden Freunde tauchen ein in die Musik und beginnen zu schweben, verflogen sind die ganze Schwerkraft und Melancholie ihres Alltags.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>\u201eVielleicht haben wir weniger Angst zu sterben als zu leben.\u201c (Serjoscha)<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1772 alignright\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_4681-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4681-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4681-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4681-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4681-840x560.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Anja und Serjoscha<\/strong> feierte in Duisburg seine Deutschlandpremiere. Neben ihrem Editor Dieter Pichler hatte Ivette L\u00f6cker auch ihre Co-Regisseurin Inga Pylypchuk mitgebracht, eine in Kiew geborene, mittlerweile seit zehn Jahren in Deutschland lebende Journalistin. Sie war f\u00fcr das Projekt durch ihre geografischen und sprachlichen Kenntnisse von gro\u00dfer Bedeutung. \u201eWir hatten verschiedene Orte angedacht\u201c, erz\u00e4hlte sie, \u201eauch im Separatisten-Gebiet.\u201c Die Wahl fiel schlie\u00dflich auf die Industriestadt Mariupol, die sich laut Pylypchuk wegen der Besetzung des Donbass immer st\u00e4rker zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Region entwickelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Diskussionsstoff sorgte das Ende des Films \u2013 Ivette L\u00f6cker wechselt in den letzten Minuten von der reinen Beobachtung in eine Interviewsituation und fragt ihre Protagonisten nach ihren Zukunftsvorstellungen. Durch die \u00c4nderung der Erz\u00e4hlperspektive, sagte der Regisseur und Autor Constantin Wulff, sei das \u201eFlanierende\u201c des Films pl\u00f6tzlich vorbei und stelle ihn in ein anderes Licht. L\u00f6cker erwiderte: \u201eMir ging es beim Schluss darum, das Ernste und Existentielle der Welt, in der Anja und Serjoscha leben, zusammenzufassen.\u201c Und in der Tat weicht die anarchische \u00dcberdrehtheit der beiden f\u00fcr einen Moment einer konzentrierten Nachdenklichkeit. \u201eVielleicht haben wir weniger Angst zu sterben als zu leben\u201c, sagt Serjoscha. Und: \u201eDie Gedanken \u00fcber die Zukunft machen Angst.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>\u201eWir wollten nicht an der Oberfl\u00e4che kleben bleiben\u201c (Andreas Bolm)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Seit f\u00fcnf Jahren begleitet die doku.klasse die \u201eAb 18\u201c-Reihe von 3sat. Zur Pr\u00e4sentation des diesj\u00e4hrigen Jahrgangs waren neben zahlreichen TeilnehmerInnen auch die Kooperationspartner und F\u00f6rderer des doxs!-Projekts nach Duisburg gekommen: Udo Bremer, Ingrid Gr\u00e4nz und Katya Mader von der 3sat-Filmredaktion sowie Johannes Dicke von der Stabsstelle Programmplanung ZDF\/3sat und Ruth Schiffer, die Filmreferentin des Landesministeriums f\u00fcr Kultur und Wissenschaft. Dazu stellten sich mit Katharina Pethke und Joakim Demmer die zwei aktuellen doku.klasse-StipendiatInnen dem Festivalpublikum vor. Aycha Riffi von der Grimme-Akademie f\u00fchrte durch die Veranstaltung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1775\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/IMG_4722-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4722-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4722-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/IMG_4722-533x800.jpg 533w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Mit gro\u00dfer Spannung war Andreas Bolms und Gerd Breiters Portr\u00e4t des YouTubers Anton erwartet worden, das die doku.klasse 2017 noch im Expos\u00e9-Status mit den beiden Filmemachern analysiert und diskutiert hatte. Einige der Sch\u00fclerInnen im Publikum outeten sich als \u201eReyst\u201c-Follower \u2013 und sahen auf der Leinwand einen selbstbewussten jungen Mann, der sich perfekt in Szene zu setzen wei\u00df. F\u00fcr die Regisseure, die Anton ein Jahr lang begleitet haben, war die Selbstinszenierung ihres Protagonisten am Anfang ein Problem. \u201eDie ersten Tage fragten wir uns: Wie kommen wir weg von Antons \u201eReyst\u201c-Sein?\u201c, erz\u00e4hlte Andreas Bolm. \u201eWir wollten nicht nur an der Oberfl\u00e4che kleben bleiben, denn darin ist Anton einfach besser als wir.\u201c Erst mit der Zeit fasste der 21-J\u00e4hrige Vertrauen und \u00f6ffnete sich mehr. Ganz gibt er die Kontrolle bis zum Schluss nicht aus der Hand. Bolm: \u201eWir benutzten ihn f\u00fcr unser Projekt so, wie er uns f\u00fcr seines benutzt hat.\u201c Und das hei\u00dft f\u00fcr Anton: der schrittweise Abschied aus der Blogsph\u00e4re hin zur Filmindustrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>\u201eEin Abl\u00f6sungs- und Reifungsprozess.\u201c (Gerd Breiter)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wie ein Conferencier seiner Neuerfindung f\u00fchrt er seine Fans mit der Kamera durch das Appartement in Hollywood, in dem er sich einquartiert hat. <strong>Mein letztes Video <\/strong>beobachtet ihn bei seinen Dreharbeiten \u2013 f\u00fcr den Blog wie f\u00fcr seinen ersten Film \u2013 und verwendet Material aus seinen Videotageb\u00fcchern. \u201eUnser Ziel war es\u201c, so Gerd Breiter, \u201edass seine und unsere Bilderwelten sich ann\u00e4hern und ineinanderflie\u00dfen.\u201c Immer deutlicher wird, wie sehr Anton inzwischen aus YouTube herausgewachsen ist. Breiter: \u201eIhm fiel manchmal einfach nichts mehr ein. Diesen Abl\u00f6sungs- und Reifungsprozess versuchten wir herauszuarbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Zum Schluss fragte ein Zuschauer, wie der Protagonist den Film fand. \u201eEr war angetan, ja ber\u00fchrt\u201c, antwortete Andreas Bolm. \u201eAnton hatte keine wirkliche Vorstellung von dem, was wir machen.\u201c Zwei grundverschiedene Planeten auch hier, deren Umlaufbahnen sich f\u00fcr eine Zeit kreuzten \u2013 mit einem guten Ergebnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die doku.klasse \u00f6ffnete w\u00e4hrend des doxs!-Festivals wieder die T\u00fcren ihres Ateliers. Mit Anja und Serjoscha und Mein letztes Video wurden zwei Filme gezeigt, die im Rahmen der aktuellen 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c entstanden sind. 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