{"id":1780,"date":"2018-12-17T12:37:56","date_gmt":"2018-12-17T10:37:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1780"},"modified":"2019-01-07T12:36:01","modified_gmt":"2019-01-07T10:36:01","slug":"beim-hoerstueck-nehme-ich-das-publikum-mehr-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/beim-hoerstueck-nehme-ich-das-publikum-mehr-mit\/","title":{"rendered":"\u201eBeim H\u00f6rst\u00fcck nehme ich das Publikum mehr mit\u201c"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Johanna Bentz hat im Rahmen der Kooperation zwischen der doku.klasse und Deutschlandfunk Kultur eine H\u00f6rst\u00fcckfassung ihres Films Bella Palanka realisiert. Darin portr\u00e4tiert sie den 22-j\u00e4hrigen Emrah, der in dem serbischen Dorf Bela Palanka in einem Auffanglager f\u00fcr abgeschobene Straft\u00e4ter aus Deutschland und \u00d6sterreich lebt. Im Interview spricht die Regisseurin \u00fcber die Unterschiede zwischen Film und H\u00f6rst\u00fcck und die Freiheit, zwischen den Medien zu wandern.<\/strong><\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Du arbeitest als Filmemacherin, hast aber auch schon mehrere Features f\u00fcr das Radio realisiert. Entwickeln sich Film- bzw. Radioprojekte parallel?<br \/>\n<\/strong>Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich einen Stoff habe, ruft der manchmal eher \u201eFilm\u201c oder eher \u201eRadio\u201c. In manchen F\u00e4llen ist es so, dass du mit dem Mikrofon n\u00e4her an die Menschen rankommst, weil sie weniger Angst haben, weil man besser mit Anonymit\u00e4t oder solchen Bed\u00fcrfnissen umgehen kann. In wieder anderen F\u00e4llen sind die Geschichten einfach sehr visuell, dann fehlt im Feature diese Bild-Ebene. Das muss man dann anders kompensieren, erz\u00e4hlen, erkl\u00e4ren. Das ist halt der Vorteil, wenn man mit einer Kamera da ist.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1787 size-medium\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Still02Jpeg-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still02Jpeg-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still02Jpeg-\u00a9-Julia-Schlingmann.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p><strong>Sind das gr\u00f6\u00dfere Freiheiten im H\u00f6rfunk, nur mit dem Mikrofon, als wenn man mit einer Kamera oder einem Team unterwegs ist? <br \/>\n<\/strong>Es sind auf jeden Fall andere M\u00f6glichkeiten. Ich glaube, diese inneren Bilder zu erschaffen, nur durch Ton, das ist noch einmal eine andere kreative Herausforderung, weil wir ja normalerweise immer in Bild und Ton denken. Allein die S\u00e4tze, die ich schreibe, die dann meine Erz\u00e4hlerin spricht, sind ja auch Radiosprache, keine Print-Sprache. Sie sind k\u00fcrzer, klingender, haben eine andere Offenheit. Man versucht, im Kopf einen Eindruck, eine Atmosph\u00e4re entstehen zu lassen, auch weil man im Tonschnitt viel parallel und nebeneinander montieren kann.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend du in deinem Film \u201eBella Palanka\u201c den Protagonisten Emrah begleitest, beobachtest und viele Situationen offen l\u00e4sst, bist Duals Autorin des Features, als Erz\u00e4hlerin und Regisseurin, viel pr\u00e4senter. War das eine Idee?<br \/>\n<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1785 alignleft\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Emrah_03Klein-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Emrah_03Klein-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Emrah_03Klein-\u00a9-Julia-Schlingmann.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Ich finde im Film hat so ein Kommentar in den seltensten F\u00e4llen die Qualit\u00e4t, die er im Radio hat, weil er ganz oft aus einer Notwendigkeit und aus so einem Erkl\u00e4r-Duktus heraus entsteht. Ich finde interessant, wenn es um eine Haltung geht. Die findest du auch im Film, die ist da vielleicht subtiler, aber die Montage, die Auswahl der Bilder und meine Fragen erz\u00e4hlen genauso meine Haltung wie im Feature. Emrah ist ja jemand, der stark auf seine Au\u00dfenwirkung achtet, und der sehr stark versucht hat, durch die Art, wie er sich inszeniert, wie er sich darstellt, wie er sich gibt, einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen. An diesem glatten Image musste ich schon ein bisschen kratzen. Ich glaube als Filmemacherin schon daran, dass der Zuschauer klug ist und sich seinen eigenen Eindruck machen kann, dennoch lenke ich das nat\u00fcrlich bewusst. Beim Radio ist es so, dass ich den H\u00f6rer viel mehr mitnehme, weil es eine gr\u00f6\u00dfere Intimit\u00e4t ist. Es ist ja auch die \u201eVerabredung im Radio\u201c, dass du intimer bist, und die Bilder, die musst du ja anders herstellen, all die subtilen Eindr\u00fccke, die du beim Bild hast.<\/p>\n<p><strong>Das was im Film die Bilder von Bella Palanka zeigen, erz\u00e4hlst du im Feature mit Deinen Texten, Kommentaren, Beschreibungen, und \u00fcber Ger\u00e4usche, Soundscapes. Man hatte beim H\u00f6ren den Eindruck, dass man mehr \u00fcber Emrahs Leben, Vorgeschichte und Familie erf\u00e4hrt. Stimmt das?\u00a0<br \/>\n<\/strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1789 alignright\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Still_03-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still_03-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still_03-\u00a9-Julia-Schlingmann.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Eigentlich alle Fakten \u00fcber die Familiengeschichte werden auch im Film erz\u00e4hlt, vielleicht kommen die anders an. Das Manuskript f\u00fcr das Feature ist entstanden, als der Film fertig geschnitten war. Nat\u00fcrlich ist das eine komplettere Geschichte, weil ich ja meine Haltung benenne und bekenne. Und auch diese Gedanken, die im Film nicht vorkommen, meine Zweifel dar\u00fcber, was mir Emrah anf\u00e4nglich erz\u00e4hlt hatte. Das war eine bewusste Entscheidung, das nicht im Film zu bringen. Das war kein leichter Prozess: Ich hatte herausgefunden, dass er sich gef\u00e4hrlicher dargestellt, als er ist \u2013 um sich im Hotel die Leute vom Leib zu halten. Aber er hatte sich eine Geschichte ausgedacht. Er hatte sich zum harten Gangster gemacht. Das fand ich als Motiv sehr interessant, doch das konnte ich in der Zeit des Films, 45 Minuten, nicht erz\u00e4hlen. Da dann nur h\u00e4ngenbleiben w\u00e4re: \u201eDer hat gelogen\u201c \u2013 und damit h\u00e4tte ich ihm jegliche Glaubw\u00fcrdigkeit genommen. Er war ja in vielen anderen Dingen sehr aufrichtig, ehrlich und mutig, das darf man nicht vergessen. Im Feature konnte ich das anders erz\u00e4hlen, weil ich da meine Gedanken deutlicher mitteilen konnte, dosierter die Erz\u00e4hlung lenken konnte als im Film.<\/p>\n<p><strong>Wenn man dann nach dem Filmschnitt an so ein H\u00f6rst\u00fcck geht \u2013 nimmt man die Bilder im Kopf mit? Oder versucht man, sich davon zu l\u00f6sen? Wie war da die Zusammenarbeit mit der Redaktion, habt ihr das von Grund auf neu entwickelt?<br \/>\n<\/strong>Es hat mich schon was gekostet, mich wieder an das gleiche Material zu setzen. Aber ich hatte von Anfang an vor, das in Kapiteln zu entwickeln, auch aus der Notwendigkeit heraus, dass du keine stringente Dramaturgie oder Handlung hast. Es gibt ja nicht die \u201eEntwicklung\u201c irgendwohin.\u00a0 Und ich fand es gut, diesen Wust an Eindr\u00fccken in Kapiteln zu ordnen. Und dann habe ich die erste Fassung geschrieben, womit mein Redakteur schon sehr zufrieden war. Wir haben dann \u00fcber die Geschichte mit den Dokumenten gesprochen, dass sich ganz am Schluss herausstellt, dass Emrahs Papiere nicht g\u00fcltig sind. Das kam vom Redakteur, dass er das gerne als Szene erz\u00e4hlt haben w\u00fcrde. Da hatte ich zum Gl\u00fcck mitgedacht und unser Telefonat aufgenommen. Das war eine sehr sch\u00f6ne Zusammenarbeit. F\u00fcr mich ist es beim Radio fast immer der Fall, dass man ein gro\u00dfes Vertrauen hat, und die Redakteurinnen und Redakteure, mit denen ich gearbeitet habe, eigentlich alle meine Handschrift als Autorin sch\u00e4tzen und suchen.<\/p>\n<p><strong>Bei dem Feature arbeitest du mit Schauspielerinnen und Schauspielern. \u00dcberhaupt ist die Gestaltung des Materials eine andere, man h\u00f6rt nicht Originalton mit Untertiteln, sondern auch weitere Stimmen (Lisa Hrdina, Alexander Ebeert, Nico Holonics, Ralf Bei der Kellen, Klaus-Michael Klingsporn und Julius Stucke), Musik, Ger\u00e4usche.<br \/>\n<\/strong>Ganz wichtig war Lisa Hrdina, die die Erz\u00e4hlerin und meine Autorinnenperspektive spricht. Dass da die Besetzung stimmt, war mir ganz wichtig. Zusammen mit dem Besetzungsb\u00fcro von DLF habe ich da lange gesucht. Ich finde, dass sie ihre eigene Interpretation entwickelt hat, und als professionelle Sprecherin kann sie anders mit der Stimme umgehen \u2013 Dinge, die ich von ihr h\u00f6ren will, anders rauskriegen. Hilfreich war auch, dass ich Lisa den Film zeigen konnte. So konnte sie sich den Ort besser vorstellen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1786 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Still_bahnhof_klein-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still_bahnhof_klein-\u00a9-Julia-Schlingmann-400x225.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Still_bahnhof_klein-\u00a9-Julia-Schlingmann.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Die Besetzung ist nat\u00fcrlich wichtig, und der Umgang mit Musik hat auch viel mit Geschmack zu tun, glaube ich. So ein Feature ist ja auch eine andere Herangehensweise. Du arbeitest nicht am Schneidetisch, sondern schreibst erst einmal \u201etrocken\u201c auf eine Seite: \u201eSzene\u201c, \u201eEinsatz Musik\u201c und so. Dieser Vorgang erfordert schon sehr viel Vorstellungskraft. Das ist einerseits magisch, aber auf der anderen Seite auch ein Wagnis, wenn man das dann am Schluss im Studio montiert. Das hat mir in dem Fall total viel Spa\u00df gemacht. In jedem Fall sagen die Leute beim Radio, dass man merkt, dass ich von Film kommen, weil ich sehr in Szenen denken und sehr stark gestalte. Andersrum hat mir die Manuskriptarbeit an den Features in den letzten Jahren auch sehr geholfen f\u00fcr die Dramaturgie der Filme. Mein Dreh und Schnittkonzept sind meist schon sehr nah an dem fertigen Film letztendlich.<\/p>\n<p><strong>Dein Feature ist Teil der Sendereihe \u201e18 Plus!\u201c beim Deutschlandfunk Kultur. Entstanden ist es in Kooperation mit der doku.klasse. Was nimmst du mit aus dieser Arbeit an zwei unterschiedlichen St\u00fccken \u2013 Film und Feature?<br \/>\n<\/strong>Es ist nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Freiheit, erst einmal einen Stoff anzugucken und zu \u00fcberlegen: Welche Form braucht der? Die Kombination \u2013 eine Auswertung sowohl als Film und als Feature \u2013 ist eine sch\u00f6ne Sache, weil man eben diese eigene Sprache f\u00fcr jedes \u201eWerk\u201c finden muss. Das ist ein kreativer Vorgang, der mir viel Spa\u00df gemacht hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johanna Bentz hat im Rahmen der Kooperation zwischen der doku.klasse und Deutschlandfunk Kultur eine H\u00f6rst\u00fcckfassung ihres Films Bella Palanka realisiert. Darin portr\u00e4tiert sie den 22-j\u00e4hrigen Emrah, der in dem serbischen Dorf Bela Palanka in einem Auffanglager f\u00fcr abgeschobene Straft\u00e4ter aus Deutschland und \u00d6sterreich lebt. Im Interview spricht die Regisseurin \u00fcber die Unterschiede zwischen Film und H\u00f6rst\u00fcck und die Freiheit, zwischen den Medien zu wandern.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":1784,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[83,81,70,29,82],"class_list":["post-1780","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-salon","tag-18-plus","tag-bella-palanka","tag-deutschlandfunk-kultur","tag-doku-klasse","tag-johanna-bentz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/JohannaBentz_klein-\u00a9-Florian-Hoffmann-.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1780"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1792,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780\/revisions\/1792"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}