{"id":1893,"date":"2020-01-13T14:34:19","date_gmt":"2020-01-13T12:34:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1893"},"modified":"2020-01-13T14:46:19","modified_gmt":"2020-01-13T12:46:19","slug":"es-kommt-auf-die-haltung-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/es-kommt-auf-die-haltung-an\/","title":{"rendered":"\u201eEs kommt auf die Haltung an\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><strong>In Kooperation mit der doku.klasse und dem Deutschlandfunk Kultur sind in den letzten Jahren vier Feature-St\u00fccke aus Dokumentarfilmprojekten entstanden. Betreut wurden die Filmemacher*innen beim Deutschlandfunk Kultur von den Redakteur*innen Katrin Moll, Jenny Marrenbach, Ingo Kottkamp und Massimo Maio. Christian Kosfeld sprach mit Katrin Moll und Ingo Kottkamp \u00fcber die Zusammenarbeit.<\/strong><!--more--><\/h3>\n<p><strong>Wie begann der Kontakt und die Zusammenarbeit mit doxs! und der doku.klasse?<br \/>\n<\/strong>Katrin Moll: Ich habe die Ausschreibung gesehen im Internet von ZDF\/3sat f\u00fcr die Reihe \u201eAb 18!\u201c, und dachte mir, vielleicht haben einige von den Dokumentarfilmer*innen Lust, auch ein Audioprojekt zu machen. Und dann war Gudrun Sommer Feuer und Flamme.<\/p>\n<p>Ingo Kottkamp: Ich bin ein bisschen neidisch auf diese grunds\u00e4tzliche Dokumentarfilmkultur. Es gibt dort eine breite und engagierte Fachdiskussion \u00fcber die Ethik des Dokumentarischen: Was ist dokumentarisch und was nicht, es existiert ein Diskurs \u00fcber die Formen. Auch bei <em>doxs!<\/em> habe ich diese Diskussionskultur erlebt. Es gibt eine sehr pure, am Material ausgelegte Art, Dokumentarfilme zu machen, die im Radio nicht so eine starke Tradition hat. Das war es, was mich gereizt hat: Dass man an solche Stoffe auch rankommt.<\/p>\n<p><strong>Es sind vier Features in der Kooperation mit doxs! entstanden. Wie arbeitet ihr mit den Filmemacher*innen? Was sind die Unterschiede im dramaturgischen Denken bei Feature und Dokumentarfilm?<br \/>\n<\/strong>K.M.: Die Autorinnen und Autoren haben bereits eine grunds\u00e4tzliche Haltung, die machen sich Gedanken, ob ein St\u00fcck funktionieren kann. Andreas Hartmann zum Beispiel hat den Film <strong>Freier Mensch<\/strong> zu Ende geschnitten, kurz darauf das H\u00f6rst\u00fcck und dabei dann nur mit dem Ton gearbeitet. Er hatte mich schon zum Rohschnitt eingeladen und ich signalisierte ihm, bei welchen Szenen ich das Gef\u00fchl hatte, dass die sehr gut funktionieren w\u00fcrden, was ich besonders stark finde. Es gab also schon ein grobes Ger\u00fcst, daraus entwickelten wir dann die Dramaturgie.<\/p>\n<p>I.K.: Bei den St\u00fccken, die wir gemacht haben, war es niemals so, dass Film und Radiost\u00fcck identisch waren, allein schon von der L\u00e4nge her, es gab Akzentverschiebungen, eine andere Auswahl an Szenen und Momenten, die akustisch gut funktionieren. Es gab St\u00fccke, die nah an der Film\u00e4sthetik waren und dem, was auf ZDF\/3sat gelaufen ist \u2013 und es gab andere, die ziemlich stark abgewichen sind. <strong>Bella Palanka<\/strong> zum Beispiel. Die Magie des Materials, dass man hingeht, Szenen einf\u00e4ngt \u2013 das ist etwas, was wir suchen. Wir suchen den noch nicht collagierten, verarbeiteten, den puren Moment, der eine G\u00e4nsehaut machen kann. Trotzdem stellt jedes St\u00fcck andere Fragen. Mein Gef\u00fchl ist, im Audio ist das Material ein bisschen \u201efl\u00fcssiger\u201c. Beim Audio hat man mehr M\u00f6glichkeiten zu schichten, zu schneiden, man kann Szenen anders komprimieren.<\/p>\n<p><strong>Gibt es aufnahmetechnisch Unterschiede zwischen Radio- und Filmton?<br \/>\n<\/strong>I.K.: F\u00fcr ein Radio-Feature sind die Tonanforderungen noch st\u00e4rker, wir haben eben nur den Ton. Das Ideal \u2013 auch bei der Zusammenarbeit mit doxs! \u2013 ist, dass man die Filmemacher*innen sensibilisiert, bevor die entscheidenden Aufnahmen beginnen. \u201eWas brauchst du f\u00fcr Technik und Mikrofone? Wie nimmst Du auf?\u201c \u2013 damit der Ton auch die Qualit\u00e4t hat, die wir haben wollen. Vielleicht ist es aber gar nicht so sehr eine Frage von Kamera oder Mikrofon, sondern eine der Haltung desjenigen, der damit unterwegs ist. Es geht um Feinf\u00fchligkeit und Vertrauen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnt ihr Beispiele nennen, wo die Arbeit besonders war? Besonders einfach in der \u00dcbertragung oder besonders schwierig, weil man einen ganz neuen Ansatz finden musste?<br \/>\n<\/strong>I.K.: Bei <strong>Bella Palanka<\/strong> von Johanna Bentz haben sich die beiden Fassungen sehr unterschieden. Der Film war stark von den Impressionen dieses serbischen Dorfs bestimmt, in dem sich der Protagonist bewegt, das ist ein stark visueller Aspekt. Bei diesem Projekt bot es sich an, dass wir im Feature mehr Kontext gaben. Es wurde auch die Position der Filmemacherin erz\u00e4hlt. Das ist ein neuer Erz\u00e4hlstrang geworden. Aber man kann nicht pauschal sagen, was man im Radio und im Fernsehen machen kann. Vielleicht gibt es im Radiofeature aber eine andere Tradition, mit Erz\u00e4hlungen zu arbeiten und das mit dokumentarischem Material zu verquicken.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6sen sich die alten, medialen Trennungen von Film und Ton, von Fernsehen und Radio auf in der Produktion und auch in der Wahrnehmung der Film-\/Radioschaffenden?<br \/>\n<\/strong>I.K.: Das Radio ist ja nicht mehr so bilderlos wie fr\u00fcher, es wird jetzt immer wichtiger, dass man im Internet auch gute Bilder hat. Und wer heute in Tontechnik ausgebildet wird, bekommt automatisch eine Ausbildung in Mediengestaltung. Man muss auch Content f\u00fcr Social Media produzieren. Aber unser Anliegen ist schon, dass wir mit vorwiegend dokumentarischem Ton ein kleines Kunstwerk gestalten. Diese Beschr\u00e4nkung auf das Akustische hat nach wie vor einen eigenen Reiz.<\/p>\n<p><strong>Wie blickt ihr zur\u00fcck und voraus auf die gemeinsamen Projekte mit doxs!?<br \/>\n<\/strong>I.K.: F\u00fcr mich hat das eine Reihe interessanter Autorinnen und Autoren erschlossen und Zugang zu tollen Stoffen. Auch wir vom Radio haben Interesse, dass Leute ihr Projekt wochenlang begleiten, aber das ist nicht so leicht zu finanzieren, und wenn es dann noch den Film gibt, ist das eine zus\u00e4tzliche Finanzierung. Man tut sich ja zusammen, um besondere Projekte zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>K.M.: Es ist total sch\u00f6n, dass wir \u00fcber diese Kooperation, junge Autor*innen kennen gelernt haben, die Lust haben, f\u00fcrs Radio zu arbeiten und f\u00fcr die das auch eine positive Erfahrung war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kooperation mit der doku.klasse und dem Deutschlandfunk Kultur sind in den letzten Jahren vier Feature-St\u00fccke aus Dokumentarfilmprojekten entstanden. Betreut wurden die Filmemacher*innen beim Deutschlandfunk Kultur von den Redakteur*innen Katrin Moll, Jenny Marrenbach, Ingo Kottkamp und Massimo Maio. 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