{"id":1983,"date":"2021-01-20T13:28:27","date_gmt":"2021-01-20T11:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=1983"},"modified":"2021-01-20T14:09:26","modified_gmt":"2021-01-20T12:09:26","slug":"man-muss-vom-protagonisten-ausgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/man-muss-vom-protagonisten-ausgehen\/","title":{"rendered":"\u201eMan muss vom Protagonisten ausgehen\u201c"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"Text\"><b>\u201eWir f\u00fchlten uns als Leser*innen sehr gut abgeholt\u201c: Das Treatment <\/b><em>Chao\u2018<span lang=\"FR\">s Transition<\/span><\/em><b> von Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester fand gro\u00dfen Anklang in der doku.klasse. Doch im Verlauf des Online-Workshops wurde deutlich: Wunsch und Wirklichkeit liegen in Zeiten der Pandemie manchmal ganz sch\u00f6n weit auseinander.<\/b><!--more--><\/h3>\n<p class=\"Text\">\u201eIch komme vom Tagebuchfilm her\u201c, erz\u00e4hlt Susanne Mi-Son Quester zu Beginn des Workshops. Den Blick mit gro\u00dfer Intimit\u00e4t auf die eigene Person zu richten und Details des Alltags minuti\u00f6s aufzuzeichnen, z\u00e4hlt zu den Kennzeichen dieser dokumentarischen Richtung, die Anfang der 2000er Jahre sehr verbreitet war. Also genau zu der Zeit, als Quester an der Filmhochschule in M\u00fcnchen Dokumentarfilm-Regie studiert hat. F\u00fcr die ersten Minuten ihres Langfilmdeb\u00fcts <b>Paju \u2013 Die innere Teilung<\/b>, mit denen sie sich in der doku.klasse vorstellt, hat sie Material verwendet, das sie damals gedreht hat: einen Kameraschwenk \u00fcber ihre von M\u00fccken zerstochenen Beine. \u201eEs ist erstaunlich, wie schnell ein Film oder bestimmte Elemente darin selbst zum Dokument werden\u201c, f\u00e4llt der Moderatorin Aycha Riffi auf.<\/p>\n<p class=\"Text\">Auch <b>August<\/b>, Mieko Azumas Diplomfilm an der HFF M\u00fcnchen aus dem Jahr 2011, nahm unbewusst eine Entwicklung seiner Entstehungszeit auf: Damals entstanden viele Filme in hybriden Formen. Die Hauptfigur in <b>August<\/b>wird von einer Schauspielerin dargestellt, Fiktion und Wirklichkeit vermengen sich. Ob es in dem Entstehungsprozess auch die Idee gab, die Figur mit einer realen Person zu besetzen. Azuma verneint. \u201eDas w\u00fcrde man vielleicht heute so machen\u201c, erg\u00e4nzt<span lang=\"IT\"> Susanne Mi-Son Quester<\/span>. Denn jede Zeit verf\u00fcge \u00fcber ihre bevorzugten Genres und Erz\u00e4hlformen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1947 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"1200\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px.jpg 1200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px-800x800.jpg 800w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_04_web_1200px-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a>Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester haben in ihrem gemeinsamen <span lang=\"DA\">Kino-Dokumentarfilm <\/span><b>Warum ich hier bin<\/b>(2018) zum ersten Mal Animationen eingesetzt und waren fasziniert von den M\u00f6glichkeiten. Auch in <b>Chao\u2018<\/b><b><span lang=\"FR\">s Transition<\/span><\/b> wollen sie mit animierten Sequenzen arbeiten. Ihr Anteil k\u00f6nnte am Ende h\u00f6her ausfallen als geplant, denn die Corona-Pandemie macht dem Projekt einen dicken Strich durch die Rechnung. Gr\u00f6\u00dfte Konsequenz: Der OP-Termin von Chao wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. \u201eWir m\u00fcssen der 3sat-Redaktion im Sommer das Sendeband schicken. Bis dahin wird Chao nach dem jetzigen Stand der Dinge noch keine vollst\u00e4<span lang=\"NL\">ndige <\/span>biologische Frau sein\u201c<span lang=\"IT\">, sagt Susanne Mi-Son Quester.<\/span><\/p>\n<p class=\"Text\">Aber ist Chaos Transition tats\u00e4chlich das zentrale Thema des Films? Die Klasse ist gespalten. Eine Teilnehmerin sagt, dass der medizinische Eingriff selbst zwar besser in einer TV-Reportage aufgehoben sei \u2013 trotzdem h\u00e4tte es sie interessiert, wie es Chaos danach geht. Eine andere Teilnehmerin findet es dagegen gerade gut, dass nicht die Geschlechtsanpassung im Mittelpunkt steht, sondern Chao als Person und ihre kreative Arbeit. \u201eIch finde es spannend zu sehen, wie sie ihre k\u00fcnstlerische Seite auslebt und an welchen stilistischen Vorbildern sie sich orientiert.\u201c Chaos Talent und Know-how als Graphikdesignerin, so Susanne Mi-Son Quester, w\u00fcrden auf jeden Fall Eingang in den Film finden. \u201eSie ist unsere Art Directorin und soll das Character Design und den Look der Animationen bestimmen.\u201c Damit ist sie nicht nur Protagonistin des Films, sondern nimmt auch k\u00fcnstlerisch eine entscheidende Rolle ein.<a href=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1948 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"1200\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px.jpg 1200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px-800x800.jpg 800w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/doku.klasse2020_05_web_1200px-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a>Wie die beiden Filmemacherinnen \u00fcberhaupt auf Chao gesto\u00dfen seien, m\u00f6chte die Klasse wissen.\u00a0 \u201eEigentlich durch Zufall\u201c, erz\u00e4hlt Mieko Azuma. Sie sei wegen eines anderen Projekts \u00f6fters in Z\u00fcrich gewesen. \u201eVerschiedene Japaner haben mir von Chao erz\u00e4hlt und meinten, ich m\u00fcsse sie unbedingt mal kennenlernen.\u201c Zwischenruf einer Teilnehmerin: \u201eIch h\u00e4tte gedacht, dass das Thema des Films <i>vor<\/i> der Protagonistin feststand.\u201c Keineswegs, sagt Azuma, es sei immer schwer, zuerst ein Thema zu haben und dann daf\u00fcr passende Protagonist*innen zu finden. Susanne Mi-Son Quester: \u201eBei unserem letzten Film haben wir ewig gesucht. Und dann haben wir beschlossen, das n\u00e4chste Mal suchen wir zuerst eine Protagonist*in und lassen uns dann auf ihre Geschichte ein.\u201c<\/p>\n<p>Ob es f\u00fcr die beiden denn eine Option sei, fragt Aycha Riffi, Chao eine Kamera zu geben und sich selbst zu filmen \u2013 im Krankenhaus etwa, wenn, wie f\u00fcr Januar geplant, zumindest die Brust-OP gemacht wird. \u201eEigentlich haben wir das nicht vor. Aber wenn gar nichts mehr geht, sind wir auch daf\u00fcr offen\u201c, antwortet Quester. Filmen in Zeiten der Pandemie. Doch Mieko Azuma erg\u00e4nzt zuversichtlich: \u201eDas Gute an Chao ist, dass immer was passiert.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir f\u00fchlten uns als Leser*innen sehr gut abgeholt\u201c: Das Treatment Chao\u2018s Transition von Mieko Azuma und Susanne Mi-Son Quester fand gro\u00dfen Anklang in der doku.klasse. 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