{"id":2147,"date":"2021-09-29T19:37:06","date_gmt":"2021-09-29T17:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=2147"},"modified":"2021-11-04T12:46:51","modified_gmt":"2021-11-04T10:46:51","slug":"what-will-be-will-be-die-faszination-fuer-das-unvorhersehbare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/what-will-be-will-be-die-faszination-fuer-das-unvorhersehbare\/","title":{"rendered":"What will be, will be &#8211; Die Faszination f\u00fcr das Unvorhersehbare"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Referenz erweisen (2): <\/strong>Rosa Hannah Ziegler, Stipendiatin der doku.klasse 2016 &amp; 2019, \u00fcber An- und Abwesenheiten beim dokumentarischen Arbeiten, das Sprechen aus dem Off, den Einfluss der Kamera und wie sich Unvorhersehbares und Unausweichliches in ihren Filmen dokumentiert. Die Fragen stellte der Filmemacher und Festivalkurator Sven Ilgner.<\/p>\n<p><em>&#8222;Es geht f\u00fcr mich im Dokumentarfilm um die Suche nach einer Darstellungsform der Wirklichkeit, die dem Zuschauer die M\u00f6glichkeit l\u00e4sst, sich die jeweilige Geschichte selbst zu Ende zu denken, und offene Fragen selbst zu beantworten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>TEXTE AUS DEM OFF, TEXTE AUS DEM HERZ <\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Ilgner: In vielen deiner Filme h\u00f6ren wir die Gedanken der Protagonist*innen. Zum Beispiel in A GIRL\u2019S DAY oder ICH HABE DICH GELIEBT. Wir lernen sehr pers\u00f6nlich kennen, welche Fragen sie sich stellen, welche \u00c4ngste und W\u00fcnsche sie haben. Wie sehr greifst du bei diesen Texten ein. Wie entstehen sie? Welche Texte kommen f\u00fcr dich in Frage, welche vielleicht nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler:\u00a0 Bei jedem Film ist die Gewichtung der Tongestaltung und Verwendung von Sprache anders, es muss immer eine thematische Entsprechung geben. Das jeweilige Thema und die Situation der Protagonist*innen geben vor, was f\u00fcr eine Form der Film annehmen und wie viel Off -Text eingesetzt wird. Ger\u00e4usche und Atmos k\u00f6nnen auch viel vermitteln. Wenn es sich um eine sehr pers\u00f6nliche Geschichte handelt, ist nat\u00fcrlich klar, dass pers\u00f6nliche Inhalte thematisiert werden, weil es ja z.B. gerade um die Bew\u00e4ltigung von schwierigen Situationen geht. Der Impuls muss aber von den Protagonist*innen kommen:\u00a0 Sie entscheiden w\u00e4hrend der Vorbereitung und w\u00e4hrend der Dreharbeiten, was sie teilen m\u00f6chten und was nicht. Ich gebe ihnen eine Stimme. Ich will, dass ihnen zugeh\u00f6rt wird. Dass man verstehen kann, warum sie so sind, wie sie sind.<\/p>\n<p>Mich fasziniert, wie Leute erz\u00e4hlen. Yasmin (aus: \u201eA Girl`s Day\u201c) zum Beispiel, verarbeitete all ihren Schmerz und ihre Emp\u00f6rung in ihren Gedankenb\u00fcchern durch das Schreiben. Die Auswahl dieser Off-T\u00f6ne haben wir gemeinsam getroffen. In der Montage habe ich \u00fcberpr\u00fcft, wie diese Texte mit den gedrehten Einstellungen korrespondieren. Ben (aus: \u201eIch habe dich geliebt\u201c), der fast kontinuierlich spricht, verliert sich in Aggression und Vorw\u00fcrfen. Katharina versucht, ihn abzublocken. Am Ende setzt er einen Punkt. Er t\u00e4towiert sich einen ganzen Satz auf seine Haut. Ein Satz, der seinen gesamten Schmerz, aber auch seinen \u00dcberlebenswillen zusammen fasst: \u201eEndure and survive\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_2152\" style=\"width: 2170px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2152\" class=\"wp-image-2152 size-full\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336.png\" alt=\"\" width=\"2160\" height=\"1085\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336.png 2160w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336-400x201.png 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336-1200x603.png 1200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336-768x386.png 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336-1536x772.png 1536w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Screenshot-65-e1632936801336-2048x1029.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2160px) 100vw, 2160px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2152\" class=\"wp-caption-text\">Filmstill aus: &#8222;Ich habe dich geliebt&#8220; von Rosa Hannah Ziegler<\/p><\/div>\n<p>Als ich die Idee hatte, einen Film \u00fcber Ben und Katha zu machen, sollte es ein Film \u00fcber ihre entstehende Liebe werden. Die Spannungen in der Beziehung des jungen Paares nahmen zu. Aus einem Film \u00fcber den Beginn einer Liebesbeziehung wurde ein Film \u00fcber den Versuch, eine Beziehungskrise zu \u00fcberwinden. Es war nicht vorhersehbar, was passieren w\u00fcrde, als wir mit den Dreharbeiten begannen. Sie sagten mir, dass sie die Geschichte ihrer Beziehung erz\u00e4hlen wollen, auch wenn sie nicht sicher sein k\u00f6nnten, was die letzte Szene sein w\u00fcrde. Diese unvorhersehbaren Wendungen sind es, die mich an dokumentarischer Arbeit immer faszinieren.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>N\u00c4HE UND INTIMIT\u00c4T<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Ilgner: Es ist sehr beeindruckend, wie du es schaffst, Teil von intimen, intensiven Gespr\u00e4chen zu sein. DU WARST MEIN LEBEN erz\u00e4hlt von sehr ber\u00fchrenden und schwierigen Momenten zwischen Mutter und Tochter. Wie erzeugst du das Vertrauen, dass die beiden sich so filmen lassen? Versuchst du, dich unsichtbar zu machen oder bist du ein Teil der Situation?<\/strong><\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler: Ich bin nat\u00fcrlich mit dem Film Teil der Situation \u2013\u00a0 alleine die Kamera an einem Ort aufzustellen ist ein Eingriff, der etwas ver\u00e4ndert. Manchmal werden Dinge ausgesprochen, die ohne den Film ungesagt bleiben w\u00fcrden. Die Kamera kann als Schutz dienen. Es kommen Geschichten zu Tage, die vielleicht jahrelang verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p>Ich mache keinen gro\u00dfen Unterschied zwischen Leben und Film. Das geht ineinander \u00fcber. Ich lebe mein Leben. Und wenn ich drehe, habe ich schon vor Drehbeginn sehr viel Zeit mit den Protagonist*innen verbracht. F\u00fcr mich und meine k\u00fcnstlerische Arbeit ist es wichtig, immer wieder in die Wirklichkeit Anderer einzutauchen. Das ist eine Bereicherung und eine Belastung. Es ist oft anstrengend. Man trifft auf unglaubliche Schicksale. Ich finde, dass in unserem digitalen Zeitalter mit all den Beauty Filtern, Fake News, Deep Fake-M\u00f6glichkeiten und Selbstoptimierungstrends es wichtig ist, Menschen zu begegnen, die sich so zeigen \u2013 ungesch\u00f6nt, ungeschminkt, mit all ihren Unzul\u00e4nglichkeiten, \u00c4ngsten, Sehns\u00fcchten und Fehlern.<\/p>\n<p><strong>LANDSCHAFTEN UND SEELENR\u00c4UME<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Ilgner: Die Form und Wirkung eines Films ist zu einem gro\u00dfen Teil bedingt durch die Montage, den Schnitt. Durch die Entscheidungen, welche Bilder und T\u00f6ne auf was folgen. Dadurch entwickeln wir als Zuschauende Emotionen und bauen uns eine Geschichte, bzw. einen Ablauf im Kopf zusammen. Viele deiner Filme haben Sequenzen, in denen Landschaften, Geb\u00e4ude oder Wohnungseinrichtungen zu den Personen und Gespr\u00e4chen montiert werden. Wie sehr wird die Wirklichkeit der Menschen in deinen Filmen von Natur und Architektur erzeugt? Wie suchst du nach Landschaftsbildern und Orten, um die Seelenr\u00e4ume deiner Protagonist*innen wahr und f\u00fchlbar zu machen? Immerhin inszeniert man damit ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Protagonist*innen. <\/strong><\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler: In der Recherchezeit schaue ich mir immer sehr genau die Orte an, an denen die Protagonist*innen leben und sich aufhalten. Ich filme das, was sie umgibt. Die Lebensr\u00e4ume, in denen wir uns aufhalten beeinflussen unsere Stimmungen und Handlungen, die Art und Weise zu denken. Viele meiner Protagonist*innen hatten einfach nicht das Gl\u00fcck, in einer gepflegten, wohlhabenden Gegend beh\u00fctet aufzuwachsen oder zu leben.<\/p>\n<p>Der Ort ist f\u00fcr mich genauso Protagonist wie die Menschen, die ich portr\u00e4tiere.<br \/>\nIch versuche ihre Orte und Situationen zu verstehen, nachempfindbar zu machen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcberlege ich, welche Orte (in welchen Bildausschnitten) die Lebensumst\u00e4nde\/Situationen und emotionalen Zust\u00e4nde der Protagonist*innen kennzeichnen. Dazu kommen aber noch viele andere Entscheidungen, zum Beispiel was die Farbgebung und Montage angeht. \u00c4sthetische Komposition braucht einen dramaturgischen Unterbau, je nach erz\u00e4hlter Situation.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem Bildgestalter in Gespr\u00e4chen in der Drehvorbereitung diskutieren wir Herangehensweisen und erarbeiten ein visuelles Konzept, das immer auch eine inhaltliche Korrespondenz hat. Im Verlauf der Dreharbeiten gibt es einen Abgleich, ob die Art der Kadrierung eine inhaltliche Entsprechung findet. Das unterscheidet sich thematisch von Film zu Film.<\/p>\n<p>Es ist bedr\u00fcckend, wie ein gro\u00dfer Wohnblock auf einer Kinoleinwand wirken kann, aber ob und wie die jeweiligen Protagonist*innen das selbst empfinden, was ihre eigene Perspektive, ihre eigene Wahrnehmung ist, bleibt immer eine Interpretation. Ein Bild \u00f6ffnet sich immer verschiedenen Deutungsebenen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2150\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2150\" class=\"wp-image-2150 size-full\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1711\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-400x267.jpg 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-1197x800.jpg 1197w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-1536x1027.jpg 1536w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-2048x1369.jpg 2048w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/MutterTochterBalkon-840x560.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2150\" class=\"wp-caption-text\">Filmstill aus: &#8222;Du warst mein Leben&#8220; von Rosa Hannah Ziegler<\/p><\/div>\n<p>Wir haben in der Balkonszene bei: \u201cDu warst mein Leben\u201c die Ausblicke auf die tats\u00e4chliche Umgebung w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs gefilmt. Mir war eine zur\u00fcckhaltende Kameraf\u00fchrung wichtig, um den beiden Frauen und dem Gesagten, dem Gespr\u00e4ch den notwendigen Raum zu geben. Die Umgebung selbst ist die normierte Umgebung eines Urlaubsortes f\u00fcr &#8217;normale&#8216;, also nicht gut betuchte Touristen auf einer Nordseeinsel.<br \/>\nDer Ausblick zeigt die angrenzenden Apartments und deren Fenster \u2013 hinter jedem dieser Fenster und Balkone spielen sich Lebensgeschichten, Trag\u00f6dien, Kom\u00f6dien ab. Der Ort ist hier wie ein stummer Zeuge der Unausweichlichkeit des Gespr\u00e4chs.\u00a0<\/p>\n<p><strong>WO SPRECHEN? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Ilgner: Ob ein Gespr\u00e4ch \u201eehrlich und wahrhaftig\u201c auf uns wirkt, hat auch immer mit dem Ort zu tun, an dem die Menschen miteinander reden. Deine Protagonist*innen sitzen in ihren Wohnungen oder H\u00e4usern, auf dem Bett, am Esstisch, auf dem Balkon, im Auto, etc., dabei aber in k\u00fcnstlerischen Arrangements, in der Kadrage, die du mit der Kameraperson gemeinsam w\u00e4hlst. Wie greifst du dabei ein und platzierst die Menschen an Orten, an denen sie sprechen sollen? L\u00e4sst du die Protagonist*innen manchmal mitentscheiden \u00fcber die Bilder von ihnen? L\u00e4sst du Gespr\u00e4che und Interviews wiederholen? Ist das f\u00fcr dich Verf\u00e4lschung, Inszenierung? <\/strong><\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler: Nat\u00fcrlich hat die Umgebung in \u201eDu warst mein Leben\u201c und die Architektur die Kadrage mitbestimmt, das ist mir bei jedem meiner Filme sehr wichtig. Vorab habe ich ein Konzept, wie ich die Architektur und Umgebung in meine Filme einbeziehen m\u00f6chte. Dennoch sind wir prim\u00e4r den Protagonistinnen und ihren Impulsen gefolgt.<\/p>\n<p>Mit den Protagonist*innen ergeben sich in der Vorbereitung oder w\u00e4hrend der Dreharbeiten Ideen f\u00fcr Szenen, Drehorte. Nat\u00fcrlich w\u00fcnscht man sich gleich mit der ersten Einstellung schon genug Material zu haben, um eine bestimmte Situation erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, aber das ist nicht immer m\u00f6glich. Die Grenze zwischen Inszenierung und dem Dokumentarischen ist flie\u00dfend. Manchmal werden Wiederholungen bei Interviews oder anderen Szenen gebraucht, um das, was mir an den Inhalten wichtig ist, besser zeigen zu k\u00f6nnen, manchmal m\u00f6chten auch Protagonist*innen eine Wiederholung.<\/p>\n<p>Mir geht es in meinen Filmen nicht um Moral. Ich versuche Lebensbedingungen, Erfahrungen und Umst\u00e4nde zu zeigen, so wie sie sind. Es soll wahrhaftig sein, und ich m\u00f6chte die Menschen nicht idealisieren. Ich m\u00f6chte meinen Protagonist*innen, die es oft schwer haben, die manchmal Verlierer*innen sind, eine Stimme geben und ihren \u00dcberlebenskampf zeigen. Wenn gedreht wird, kenne ich sie recht gut, Ich bilde das ab, was ich an dem jeweiligen Ort vorfinde. Ich kann das nicht beeinflussen, ich kann das nur beobachten und dokumentieren. Und es w\u00fcrde mir falsch vorkommen, ein Happy End dazu zu dichten, wenn es keins gibt. Es gibt aber vielleicht die Hoffnung. Die Fortschritte und Ver\u00e4nderungen einer Lebenssituation k\u00f6nnen sich im Kleinen zeigen, in winzigen Schritten, da muss man eben genau hinschauen.<\/p>\n<p>Mir ist es wichtig, dass eine gewisse Empathie m\u00f6glich ist. Sich selbst ein St\u00fcck zu vergessen, mitzuf\u00fchlen. Oder mit seinen eigenen Vorurteilen, mit sich selbst konfrontiert zu werden. Nicht immer sind die Protagonist*innen Sympathietr\u00e4ger*innen, das muss man aushalten.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>MUSIK ALS EMOTIONSMASCHINE <\/strong><\/p>\n<p><strong>Sven Ilgner: Ein wichtiges Element deiner Arbeiten ist der Einsatz von Musik. Songs und Popmusik, die von den Protagonist*innen gerne geh\u00f6rt werden, wie z.B. in FAMILIENLEBEN. Siehst du dabei die Gefahr, dass Musik die empfundene Wahrhaftigkeit in eine Richtung drehen kann und so die Inszenierung dominiert? <\/strong><\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler: Die Lieder in \u201eFamilienleben\u201c sind sehr wichtig. Es sind die Momente, in denen die Protagonisten sich ausdr\u00fccken, ihre Lieblingslieder singen, einen Song covern, und sich dabei verwandeln, Rollen einnehmen und sich in ein anderes Leben hinein tr\u00e4umen. Es sind Ausbruchsversuche aus ihrem Alltag und ein Versuch die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit zu verschieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Filme <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/film\/ab-18\/ab-18---du-warst-mein-leben-100.html\">&#8222;Du warst mein Leben&#8220;<\/a> und<a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/film\/ab-18\/ab-18---ich-habe-dich-geliebt-100.html\"> &#8222;Ich habe dich geliebt&#8220;<\/a> sind auf der 3sat-Mediathek abrufbar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2155 size-full\" src=\"https:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609.png\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"753\" srcset=\"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609.png 1920w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609-400x157.png 400w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609-1200x471.png 1200w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609-768x301.png 768w, https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/wp-content\/uploads\/Rosa-Sven-e1633077451609-1536x602.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Rosa Hannah Ziegler<\/strong>, geboren in Hamburg, studierte Regie an der Kunsthochschule f\u00fcr<br \/>\naudiovisuelle Medien in K\u00f6ln. Mit ihrem Dokumentarfilm \u201eCigaretta mon Amour \u2013 Portrait meines Vaters\u201c (2006) gewann sie den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold. Darauf folgten ihre mehrfach preisgekr\u00f6nten Kurzfilme \u201eEscape\u201c (2011) und \u201eA Girl\u2019s Day\u201c, die auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt worden sind. F\u00fcr die 3sat Sendereihe \u201eAb 18\u201c realisierte sie 2017 den Film \u201aDu warst mein Leben\u2018, eine Fortsetzung von \u201eA Girl\u2018s Day\u201c. Der Film wurde mit den Grimmepreis 2018 und dem Burgerpreis 2021 auf der Nonfiktionale in Bad Aibling ausgezeichnet. &#8222;Familienleben&#8220; (2018) ist ihr erster abendf\u00fcllender Dokumentarfilm, der auf der Berlinale (Sektion Panorama) seine Premiere feierte und auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt und pr\u00e4miert wurde. &#8222;Ich habe dich geliebt&#8220; (2020) ist ihr neuester Film, der auf der 44. Duisburger Filmwoche seine Premiere feierte, die internationale Premiere fand im Juni 2021 auf<br \/>\ndem Doker Festival statt, dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in Moskau.<\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50%;\">\n<p><strong>Sven Ilgner<\/strong> ist Filmemacher, Autor und Dozent. Er war viele Jahre t\u00e4tig f\u00fcr verschiedene Filmfestivals wie das Kinofest L\u00fcnen, die Duisburger Filmwoche oder das Film Festival Cologne. Ab Herbst 2021 ist er Head of Program des Filmfestival Max-Oph\u00fcls Preis in Saarbr\u00fccken.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Referenz erweisen (2): Rosa Hannah Ziegler, Stipendiatin der doku.klasse 2016 &amp; 2019, \u00fcber An- und Abwesenheiten beim dokumentarischen Arbeiten, das Sprechen aus dem Off, den Einfluss der Kamera und wie sich Unvorhersehbares und Unausweichliches in ihren Filmen dokumentiert. 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