{"id":381,"date":"2014-10-04T15:29:48","date_gmt":"2014-10-04T13:29:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=381"},"modified":"2018-05-23T13:26:19","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:19","slug":"jugendliche-ausstrahlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/jugendliche-ausstrahlung\/","title":{"rendered":"Jugendliche Ausstrahlung reicht nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p>Mitmischen statt au\u00dfen vor sein: Das w\u00fcnschen sich Kinder und Jugendliche in vielen Bereichen \u2013 auch im Dokumentarfilm. Mit der doku.klasse lotet das Duisburger Festival doxs! den partizipativen Spielraum zwischen jungen Zuschauern, Filmemachern sowie Redakteuren neu aus. In einer K\u00f6lner Gespr\u00e4chsrunde stellten die Initiatoren ihr Vorhaben gemeinsam mit den Projektpartnern ZDF\/3sat, der Grimme-Akademie und der FSF Berlin zur Diskussion.<!--more--><\/p>\n<h3>Von Alexander Scholz<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Dialog steht im Vordergrund. Allerorten wird Feedback gegeben, Supervision und Evaluation betrieben, \u00fcber Geschm\u00e4cker abgestimmt und die je aktuelle Gem\u00fctslage \u00f6ffentlich vermeldet \u2013 ein gesellschaftliches Ph\u00e4nomen, das \u00fcber alle Mediengrenzen hinweg virulent ist. Zwar gilt das Internet zumeist als sein Initiator, weil technischer Beschleuniger, aber auch das Kino und vor allem das Fernsehen sind davon gepr\u00e4gt. Partizipation, die gew\u00fcnschte und gef\u00f6rderte Teilhabe an etwas, ist ein omnipr\u00e4senter Prozess, der gro\u00dfe Teile unseres Alltags strukturiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Dokumentarfilm ist es deshalb gleich doppelt naheliegend, sich mit Partizipation auseinanderzusetzen. Einerseits in der Rolle des wachsamen Beobachters dieser sozialen Verfahren, andererseits als Forum ihrer Anwendung. Beim Dokumentarfilm f\u00fcr und \u00fcber Kinder scheint es schwierig, diese beiden Ans\u00e4tze \u00fcberhaupt auseinanderzuhalten: Wer sich einer Generation authentisch n\u00e4hern will, f\u00fcr die st\u00e4ndige R\u00fcckmeldung und Kommunikationsbereitschaft selbstverst\u00e4ndlich ist, der sollte den Gedankenaustausch mit den Kindern und Jugendlichen suchen \u2013 das hei\u00dft: sie ernst nehmen.<\/p>\n<h2>Erfahrungen ins Kinderzimmer \u00fcbertragen<\/h2>\n<p>Beim Europ\u00e4ischem Symposium <em>Dokumentarfilme f\u00fcr Kinder und Jugendliche<\/em>, das vom 11. bis 13. September 2014 im Filmforum im K\u00f6lner Museum Ludwig stattfand, spielte eben diese Einsicht eine wichtige Rolle. Folgerichtig wurde auf und vor der B\u00fchne \u00fcber Partizipation im TV-Dokumentarfilm in den Dialog getreten. \u201eJugendliche Ausstrahlung reicht nicht mehr\u201c: Bereits der mehrdeutige Titel des von doxs! gestalteten Diskussionspanels zeigte an, dass Handlungsbedarf bei der Heranf\u00fchrung von Jugendlichen an die Kunst des Dokumentarischen im Fernsehen besteht. Denn w\u00e4hrend im Rahmen von Filmfestivals das rege Interesse Heranwachsender am Dokumentarfilm kaum zu \u00fcbersehen ist, stellt sich die Frage, wie man solch positive Erfahrungen aus dem Kino in das heimische Wohn- und Kinderzimmer bringen kann. Oder wie ein Teilnehmer des Symposiums es pr\u00e4gnant formuliert: \u201eWie kann man den anspruchsvollen Dokumentarfilm vor der Fernbedienung sch\u00fctzen?\u201c<\/p>\n<p>Ein einsetzender Sinneswandel bei Filmemachern und Sendeanstalten zeitigt diese Antwort: Man will nicht mehr allein im kessen Gewand der Jugend daherkommen, sondern tats\u00e4chlich an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen teilhaben \u2013 freilich nicht ganz uneigenn\u00fctzig. Delia West, als jugendliche Teilnehmerin des Panel gewisserma\u00dfen Vertreterin der erhofften Dialogpartner, bringt ihre eigene Relevanz lakonisch auf den Punkt: \u201eWie soll ein Filmemacher denn wissen, was wir denken, wenn er nicht mit uns redet?\u201c<\/p>\n<h2>Partizipation zwischen Teilhabe und Preisgabe<\/h2>\n<p>Nun ging es in K\u00f6ln aber nicht darum, den Dialog mit den jungen Zuschauern auf der B\u00fchne des Filmforums zu er\u00f6ffnen, sondern sich zun\u00e4chst dar\u00fcber klar zu werden, wie dieser \u00fcberhaupt gef\u00fchrt werden kann. W\u00e4hrend man sich in der Diskussionsrunde schnell einig ist, dass Partizipation der Schl\u00fcssel zu neuen Seherlebnissen auf verschiedenen Plattformen sein kann, ergibt sich rasch die Notwendigkeit, sich \u00fcber den Gegenstand genauer zu verst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p class=\"pull-right\">\u201eDer Begriff der Partizipation ist grunds\u00e4tzlich positiv besetzt. Man muss diese Erwartungen auf den Boden holen.\u201c (Dr. Frauke Gerlach)<\/p>\n<p>\u00dcber die von Moderator Christian Popp vorgebrachte Minimaldefinition von Partizipation als \u201eTeilnahme am kreativen Prozess\u201c hinaus, findet das von Filmemacher Calle Overweg umformulierte Bonmot Karl Valentins einige Zustimmung: \u201ePartizipation ist sch\u00f6n, macht aber viel Arbeit.\u201c Overweg meint damit vor allem die direkte Teilhabe der Jugendlichen am Entstehen der Bilder. Einerseits w\u00fcrden besonders authentische Bilder entstehen, wenn der Regisseur die Kamera an seine Protagonisten weitergebe und auf deren Lust zur dokumentarischen Arbeit vertraue. Andererseits erfordere diese Form der \u201ePartisanenkamera\u201c viel Geduld und Risikobereitschaft vom Filmemacher \u2013 ganz zu Schweigen von der aufw\u00e4ndigen Nachbearbeitung.<\/p>\n<p class=\"pull-right\">\u201eDie doku.klasse ist ein Resonanzraum f\u00fcr unsere Arbeit. Die Rollenverteilung<br \/> zwischen Redaktion und Zuschauer aber bleibt.\u201c (Katya Mader)<\/p>\n<p>Auch aus redaktioneller Sicht hat eine solche dokumentarische Teilnahme am Leben der Protagonisten Konsequenzen, sekundiert Katya Mader, Redakteurin bei ZDF und 3sat. Gerade bei der 3sat Reihe \u201eAb 18!\u201c habe sie die Erfahrung gemacht, dass man Jugendliche oft vor der Kamera und vor sich selbst sch\u00fctzen m\u00fcsse \u2013 die Risiken der mitteilsamen Vernetzung m\u00fcssten stets mitgedacht werden.<\/p>\n<h2>Formensuche hinter der Kamera<\/h2>\n<p>Wer will schon Jahre sp\u00e4ter vor aller Welt ausbreiten, \u201ewas man im Alter von vierzehn Jahren so getrieben hat.\u201c Die Direktorin des Grimme-Instituts Dr. Frauke Gerlach jedenfalls nicht. Sie ist jedoch fest davon \u00fcberzeugt, dass viel zu gewinnen sei, wenn \u201edie Brille einer Dokumentation von ihren Protagonisten mit geschliffen wird.\u201c Deshalb m\u00fcsse man gar nicht unbedingt das Heft und die Kamera aus der Hand geben. Projekte wie die doku.klasse, bei der Jugendliche w\u00e4hrend der Stoffentwicklung in die Gestaltung verschiedener Dokumentationen eingebunden werden, sei ein gutes Beispiel f\u00fcr einen mutigen Ansatz, der Kindern und Jugendlichen \u201eauf Augenh\u00f6he\u201c begegne. Gerade das Internet biete die M\u00f6glichkeit, relativ einfach Strukturen f\u00fcr Partizipation mit bestimmten Spielregeln zu schaffen. Hier sei es wichtig, nicht eine \u201eVoting-Mentalit\u00e4t\u201c zu bedienen, sondern ernsthaft miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p class=\"pull-right\">\u201eDer Zuschauer war lange die gro\u00dfe Unbekannte. Das ver\u00e4ndert sich mit den neuen technischen M\u00f6glichkeiten.\u201c (Christian Popp)<\/p>\n<p>Beispielhaft schl\u00e4gt Christian Popp einen \u201eCo-Regie-Vertrag\u201c als weitreichende Einflussnahme der Kinder und Jugendlichen im filmischen Prozess vor \u2013 und trifft auf Vorbehalte. Die &#8222;klassische Rollenverteilung&#8220; zwischen Redaktion und Zuschauer, sagt Katya Mader, m\u00f6chte sie nicht aufgehoben wissen, da gerade das Fernsehen auch \u00e4ltere Zuschauergruppen nicht verprellen darf. Mit dem Vorschlag von Frauke Gerlach, einen Mittelweg des Experimentierens mit Typen der Partizipation \u00fcber traditionelle Fernsehformate hinweg in Richtung digitaler Vernetzung zu beschreiten, k\u00f6nnen sich am Ende alle Gespr\u00e4chsteilnehmer anfreunden.<\/p>\n<p>Die Vorstellung eines neuen Jugendkanals, der ein Labor f\u00fcr verschiedene Modelle der Ausstrahlung sein k\u00f6nnte, taucht deshalb auch immer wieder am Horizont der Diskussion auf. Der Wunsch nach einem \u201eFreifeld f\u00fcr Formen der Beteiligung\u201c, wie Calle Overweg es nennt, scheint ebenso pr\u00e4sent wie der Wunsch der Jugendlichen, Partner bei der Suche nach diesen Formen zu sein \u2013 im Alltag und im Dokumentarfilm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitmischen statt au\u00dfen vor sein: Das w\u00fcnschen sich Kinder und Jugendliche in vielen Bereichen \u2013 auch im Dokumentarfilm. Mit der doku.klasse lotet das Duisburger Festival doxs! den partizipativen Spielraum zwischen jungen Zuschauern, Filmemachern sowie Redakteuren neu aus. 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