{"id":405,"date":"2014-10-04T17:01:40","date_gmt":"2014-10-04T15:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=405"},"modified":"2018-05-23T13:26:18","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:18","slug":"aeusserst-schlecht-gelegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/aeusserst-schlecht-gelegen\/","title":{"rendered":"\u00c4u\u00dferst schlecht gelegen"},"content":{"rendered":"<p>Wir befinden uns in K\u00f6ln. K\u00f6ln, Stadt der Medien, Stadt des Fernsehens.<\/p>\n<p>Naheliegend also, dass das Symposium zum Thema Dokumentarfilm f\u00fcr Kinder und Jugendliche hier stattfinden w\u00fcrde. Vertreter des Jugend- und Kinderdokumentarfilms, politische Instanzen, Journalisten, Festivalleiter und Interessierte (so wie ich) warten im Foyer<span style=\"text-decoration: line-through;\">,<\/span> bei Kaffee und Kuchen auf den Beginn des europ\u00e4ischen Symposiums, das von der Dokumentarfilminitiative (kurz dfi) veranstaltet wird.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr mich unglaublich spannend dabei sein zu d\u00fcrfen, f\u00fcr die anderen G\u00e4ste mal wieder Gelegenheit, &#8222;alte&#8220; Bekannte und ihre aktuelle Meinung zum Thema zu h\u00f6ren. Die Atmosph\u00e4re: locker und gesellig.<\/p>\n<p>Relativ p\u00fcnktlich beginnt Petra Schmitz, die engagierte Leiterin der dfi, die Veranstaltung mit begr\u00fc\u00dfenden Worten. Die Reihen des Vorf\u00fchrungssaals im Filmforum sind etwa zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Erster Programmpunkt &#8222;The Dutch Touch&#8220;, eine Pr\u00e4sentation von den drei Niederl\u00e4nderinnen Anna Pedroli, Meike Statema und Melanie de Langen. Mal abgesehen von dem h\u00f6chst sympathischen Akzent, schien dieser Beitrag durch \u00fcberzeugende Filmbeispiele auch die inhaltlichen Anspr\u00fcche der geladenen G\u00e4ste zu erf\u00fcllen. Ihr niederl\u00e4ndisches Projekt arbeitet in Workshops mit Filmemachern zusammen und entwickelt Stoffe, die im besten Fall auch produziert werden. So konnten in den letzten Jahren ca. 300 Produktionen f\u00fcr Kinder realisiert werden, das deutsche Pendant dokyou hingegen kommt &#8222;gerade mal&#8220; auf 16.<\/p>\n<p>Im Laufe des ersten Tages wurde immer wieder auf den Erfolg dieses niederl\u00e4ndischen Modells verwiesen, aber gleicherma\u00dfen auch vermehrt angedeutet, dass Onlineplattformen zur heutigen Zeit eine immer wichtigere Rolle spielen, wie man am niederl\u00e4ndischen Beispiel &#8222;zappechtgebeurd.nl&#8220; sehen kann. So auch das dokumentarische Videotagebuch doxwise, das bei mir bleibenden Eindruck hinterlie\u00df. Ich finde die Idee sehr spannend, Jugendlichen ab 18 eine Kamera an die Hand zu geben und f\u00fcr sie wichtige Aspekte in ihrem Leben filmen zu lassen und durch den Kontakt zu einem Produktionsteam (trotzdem) einen professionellen Weg zu beschreiten. Die wachsenden Klicks dazu beweisen, dass es zumindest im skandinavischen Raum funktioniert und somit dem europ\u00e4ischen und internationalen &#8222;Markt&#8220; pr\u00e4sentiert werden kann.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieses Vortrags, der zeitplanm\u00e4\u00dfig v\u00f6llig aus dem Ruder zu laufen drohte, kam eine Wortmeldung, zu der ich gerne etwas beisteuern w\u00fcrde. (Sinngem\u00e4\u00df) &#8222;Plakativ \u2013 das ist doch eh das, was die Jugendlichen sehen wollen!&#8220; &#8222;Halt, Stopp!&#8220; (W\u00fcrde man als Jugendlicher jetzt wohl aus einer der bekanntesten Frauentauschfolgen seiner Zeit zitieren.) Plakativ: Das hei\u00dft nichts anderes als auffallend, demonstrativ oder stark betont.<\/p>\n<p>Meine Frage nun liebe Experten, liebe Neugierige, liebe Chef-Analysten vom Sehverhalten Jugendlicher: Wollen wir nicht alle am liebsten etwas sehen, das uns fesselt und uns nicht mehr aus dem Kopf geht?<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, auch erwachsene Zuschauer werden von plakativen Formen angezogen. Jugendliche sind schnell von konventionellen Filmen gelangweilt. Bedingt durch das Internet und seine nahezu grenzenlose \u00e4sthetische Vielfalt lernt die heutige Jugend tagt\u00e4glich neue digitale Ausdrucksformen kennen. Deswegen muss auf diese unkonventionellen und manchmal vielleicht auch plakativen Darstellungsweisen auch geschaut werden \u2013 wenn man wissen will, wie Jugendliche ticken.\u00a0<\/p>\n<p>Das w\u00e4re meine Meinung dazu. Und die wollte auch Christian Popp auf dem Panel zu verschiedensten Dingen h\u00f6ren. Im Speziellen ging es um die doku.klasse, f\u00fcr die ich ja nun &#8222;rasende Reporterin&#8220; sein darf. Was, so der Moderator, ist der Vorteil, bzw. gibt es auch Nachteile an Partizipation im dokumentarischen Fernsehen?\u00a0F\u00fcr die anderen Teilnehmer des Panels: Frauke Gerlach, Calle Overweg und Katya Mader wahrscheinlich eine Frage, \u00fcber die stundenlange Diskussionen stattfinden k\u00f6nnten, f\u00fcr mich aber eigentlich eindeutig. Partizipation ist gut! Es muss sie meiner Meinung nach geben, um zielgruppengerecht zu produzieren.<\/p>\n<p>Grundlegende Bedingung daf\u00fcr sollten allerdings Partizipanten sein, deren Voreinstellung nicht direkt negativ und abwertend ist. Denn: Was n\u00fctzt dekonstruktive Kritik? In Social Media Beitr\u00e4gen liest man oft &#8222;das ist Sch****&#8220; oder &#8222;kann mal einer den Moderator\/Kommentator austauschen?&#8220;. Aber woher wissen die Verantwortlichen, was der Zuschauer sehen will, wenn keine Gr\u00fcnde oder besser noch: konkrete W\u00fcnsche ge\u00e4u\u00dfert werden? Echte Partizipation ist sinnvoll, weil nur so auf die Anspr\u00fcche der Zuschauer eingegangen werden kann.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es immer leicht, zu fertigen Produktionen seinen Senf dazuzugeben (gibt \u00fcbrigens &#8217;n tollen Senfladen direkt in K\u00f6ln). Aber bei der doku.klasse geht es darum, in den Entstehungsprozess einer Produktion einzusteigen und (bestm\u00f6glich) mit Tipps und Anmerkungen (der Zielgruppe) den Filmemachern, so doof das auch klingt, eine Hilfestellung zu leisten. Noch bevor der Film gedreht wird. Auch ich \u2013 ein an Film und Medien interessierter Mensch \u2013 kann davon nur profitieren, diese Einblicke und Eindr\u00fccke mitzunehmen.<\/p>\n<p>Bevor mein Senfglas gleich leer ist, m\u00f6chte ich noch auf eine Sache eingehen, die von Katya Mader (ZDF\/3sat), aber auch von Phillis Fermer (ZDF) angesprochen wurde. Der Sendeplatz von Dokumentarfilmen f\u00fcr Kinder und Jugendliche: \u00e4u\u00dferst schlecht gelegen. Er hat leider keine gro\u00dfe Chance von der Zielgruppe gesehen zu werden. (Montags ab 22 Uhr und sonntags kurz nach acht). Schade! Kleiner Hinweis meinerseits: Jugendliche wissen nicht, was Dokumentarfilm bedeutet. Aus eigener Erfahrung wei\u00df ich, dass die meisten denken, Dokumentarfilme zeigen das Leben im Eis oder wie sich Vulkanlava ihren Weg durch die Natur brennt. Die weitere Arbeit in Schulen ist daher unbedingt notwendig und erfolgsversprechend \u2013 sonst w\u00fcrden Jugendliche erst gar nicht an Projekten wie der doku.klasse mitmachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir befinden uns in K\u00f6ln. K\u00f6ln, Stadt der Medien, Stadt des Fernsehens. Naheliegend also, dass das Symposium zum Thema Dokumentarfilm f\u00fcr Kinder und Jugendliche hier stattfinden w\u00fcrde. 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