{"id":420,"date":"2014-10-13T19:01:31","date_gmt":"2014-10-13T17:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=420"},"modified":"2018-05-23T13:26:18","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:18","slug":"eine-geschichte-muss-mitreissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/eine-geschichte-muss-mitreissen\/","title":{"rendered":"Eine Geschichte muss mitreissen"},"content":{"rendered":"<h2>Workshop zum Projekt \u201cIch, Kevin!\u201c (AT) von Insa Onken und Gerardo Milsztein<\/h2>\n<p>Danach ist man schlauer. Im Falle von Insa Onken und Gerardo Milsztein wurde der Spruch konkret. Denn die beiden Regisseure zogen viel Produktives f\u00fcr ihr Projekt aus dem ersten Workshop der doku.klasse.\u00a0<!--more-->\u00a0\u201eWir sehen jetzt noch klarer, wo die St\u00e4rken, m\u00f6gliche Schw\u00e4chen und das filmische Potential unseres Konzepts liegen\u201c, sagte Gerardo Milsztein nach dem sechsst\u00fcndigen Arbeitstreffen mit zehn jungen Erwachsenen im K\u00fcnstlerhaus in Duisburg. Ihr Expos\u00e9 zu \u201cIch Kevin\u201c sei intensiv analysiert worden, so der geb\u00fcrtige Argentinier, mit \u201eviel Ernsthaftigkeit und Empathie\u201c. Und dabei ging es mitunter kontrovers, immer aber sehr konstruktiv zur Sache.<\/p>\n<p>Eines der Diskussionsthemen war generell der Weg vom Treatment zum fertigen Film. Dieser Text nehme f\u00fcr ihren Geschmack schon zu viele Informationen vorweg, merkte eine Teilnehmerin kritisch an. Der Interviewausschnitt, den die beiden Filmemacher vorbereitet hatten, habe sie noch neugieriger auf den Protagonisten Kevin gemacht als das Geschriebene. Insa Onken konterte die Kritik mit dem Verweis, dass sich ein Expos\u00e9 in erster Linie an die Redaktion richte, und die ben\u00f6tigt ein so umfassendes Bild des Protagonisten wie m\u00f6glich, um ihn kennenlernen und einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. In der gemeinsamen Analyse des Stoffes r\u00e4umte Onken ein, dass die Darstellung von Kevin im schriftlichen Konzept m\u00f6glicherweise eine Spur zu einseitig geraten sei, wodurch Kevin zu sehr als passives Opfer und zu wenig als handelnde Person mit Eigeninitiative r\u00fcberkomme.<\/p>\n<p>\u201cIch, Kevin!\u201c (AT) ist das Portr\u00e4t eines jungen Mannes, der sich mit dem System Schule nicht arrangieren konnte und in die Langzeitarbeitslosigkeit abgerutscht ist. In einem Theaterprojekt findet er langsam wieder Stabilit\u00e4t und Selbstvertrauen. W\u00e4hrend die Filmemacher f\u00fcr Kevins Situation auch das System selbst verantwortlich machen, das jeden rigoros ausschlie\u00dfe, der nicht mitspielt (Milsztein: \u201eKevin ist ehrlicher als andere, sich an das System anpassende Jugendliche\u201c), vertraten einige der Workshop-Teilnehmer eine entgegengesetzte Position. Tenor: Ohne Anpassung geht es nicht. Die Schule sei ein notwendiges \u00dcbel, und manchmal m\u00fcsse man einfach in den sauren Apfel bei\u00dfen. F\u00fcr eine andere Fraktion macht die Verweigerungshaltung Kevins, sein Anderssein, auch seine Unberechenbarkeit, aber genau das Faszinierende an seiner Figur aus: Hier sucht einer seinen eigenen Weg.<\/p>\n<p>In der visuellen Umsetzung schwebt den Regisseuren eine Kameraf\u00fchrung vor, die den Protagonisten erst aus der N\u00e4he in den Blick nimmt und dann in \u201eetablierenden Beobachtungen\u201c (Milsztein) nach und nach aus einer gr\u00f6\u00dferen Distanz dokumentiert. Warum sie nicht umgekehrt vorgingen, so wie es im allt\u00e4glichen Leben \u00fcblich sei, wurde in der Runde gefragt. Onken: \u201eWir wollen den Zuschauer direkt an Kevin heranf\u00fchren, weil wir glauben, dass er nicht sofort die &#8218;gewinnendste&#8216; Person ist und der Zuschauer die N\u00e4he braucht, um ein Interesse und ein Gef\u00fchl f\u00fcr ihn zu entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Eine Idee, die recht neu ist und deshalb keinen Eingang mehr ins Treatment gefunden hat, ist es, die Mangas von Kevins Bruder, einem talentierten Zeichner, zu animieren und als eine Art biografische Fantasieebene von Kevin im Film zu etablieren. \u201eW\u00e4re das eine Bildsprache\u201c, fragte Milsztein die Gruppe, \u201edie euch so weit anspricht, dass ihr bei einem Dokumentarfilm h\u00e4ngen bleiben w\u00fcrdet?\u201c Die Reaktionen waren eher verhalten: Ob ein solches, nicht-dokumentarisches Verfahren noch authentisch sei, gab eine Teilnehmerin zu bedenken. Und: W\u00e4ren die Mangas wirklich eine Ausdrucksform, die Kevin entspricht, wo doch sein Bruder die Zeichnungen malt und nicht er?<\/p>\n<p>In der Folge entspann sich ein spannender Diskurs um die Frage, was Kriterien f\u00fcr &#8218;junge&#8216; Bild- und Erz\u00e4hlstrategien im Dokumentarfilm sein k\u00f6nnten \u2013 oder ob diese Frage gar nicht eindeutig und generell zu beantworten sei. Gudrun Sommer, Initiatorin und Leiterin der doku.klasse, argumentierte in diese Richtung: \u201eIch glaube nicht, dass man von den Sehgewohnheiten jugendlicher Zuschauer sprechen kann. Es gibt da eine gro\u00dfe Vielfalt\u201c, sagte sie. Au\u00dferdem w\u00fcrde diese Zielgruppe oft nicht-konventionelle visuelle und narrative Verfahren im Dokumentarfilm schlicht gar nicht kennen und m\u00fcsste damit erst bekannt gemacht werden.<\/p>\n<p>Insa Onken nahm als Fazit aus der \u00c4sthetik-Diskussion f\u00fcr sich mit, dass man das junge Publikum nicht zwangsl\u00e4ufig dadurch gewinne, indem man einen Film auf jung trimme: \u201eEs geht nicht darum, dass wir verwackelte Handybilder verwenden und die Protagonisten SMS schreiben lassen, nur weil wir denken, dass ist die Bildsprache junger Leute und h\u00e4lt sie bei der Stange.\u201c Und: \u201eLetztlich gilt f\u00fcr die J\u00fcngeren doch dasselbe wie f\u00fcr die \u00c4lteren: Eine Geschichte muss mit eine ehrlichen Haltung erz\u00e4hlt werden, ber\u00fchren und mitrei\u00dfen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Workshop zum Projekt \u201cIch, Kevin!\u201c (AT) von Insa Onken und Gerardo Milsztein Danach ist man schlauer. 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