{"id":495,"date":"2014-10-22T11:47:38","date_gmt":"2014-10-22T09:47:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=495"},"modified":"2018-05-23T13:26:17","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:17","slug":"fern-und-doch-so-nah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/fern-und-doch-so-nah\/","title":{"rendered":"Fern und doch so nah"},"content":{"rendered":"<h2>Eine Filmkritik von\u00a0Matthias Pytlik zu Peter G\u00f6lthenboths und Anna Piltz\u2019 Dokumentarfilm \u201e10 Wochen Sommer\u201c \u2013 entstanden in der 3sat-Reihe \u201cAb 18!\u201d<\/h2>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201e<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">10 Wochen Sommer<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201c<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\"> ist ein semi-dokumentarischer Film von Peter G\u00f6ltenboth und Anna Piltz. Er entstand im Rahmen eines gemeinsamen Projekts, im Zuge dessen die beiden Regisseure im Sommer 2010 zehn kleine Kameras an Jugendliche aus Berlin verteilt haben, mit denen diese ihren Alltag dokumentieren sollten. Am Ende blieben Helene Bukowski, Jorinde Sturm, Tatjana Schulte und Isabella Braband \u00fcbrig, die ihr Leben \u00fcber die Jahre aufgezeichnet haben. <\/span><!--more--><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Die dokumentarische Arbeit besteht aus diversen kurzen Clips, die die Jugendlichen in dieser Zeit gedreht haben, und spielt sich chronologisch ab. W\u00e4hrend des gesamten Films werden wir von einer Protagonistin und ihrem Voice-Over begleitet. <\/span><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Der Film fokussiert im Gro\u00dfen und Ganzen das Thema <\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201e<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Erwachsenwerden<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201c<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">: Selbstfindung, Alkohol, Feiern, Drogen und auch Liebe sind zentrale Inhalte und Erfahrungen, die die meisten Jugendlichen genau so oder \u00e4hnlich erlebt haben. Die einzelnen Sequenzen spielen sich an zentralen Orten des Lebens der Protagonisten ab: in Wohnungen, auf der Stra\u00dfe, im Urlaub, in Clubs, auf Partys. \u00dcberall und stets begleitet von der Kamera. Doch Freundschaft w\u00e4hrt nicht ewig, wie die Erz<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u00e4<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">hlerin feststellen muss. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass diese innige M<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u00e4<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">dchen-Clique nicht bestehen bleibt, man sich auseinander leben, aus den Augen verlieren wird. Dies hat diverse Gr\u00fcnde, die der Film zum Ende hin thematisiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Grundlage f\u00fcr <\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201e<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">10 Wochen Sommer<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201c<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\"> bilden die Amateuraufnahmen der Protagonistinnen. Trotz der unruhigen Kamera ist genug Stabilit\u00e4t in der Bilderz<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u00e4<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">hlung, sodass man gut folgen kann. Lediglich an einigen wenigen Stellen, in denen die Protagonistin vom Fahrrad aus filmt, kommt es zu <\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201e<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Wacklern<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u201c<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">, die f\u00fcr den Zuschauer schnell unangenehm werden. Aber gerade dies gibt dem Film etwas sehr Authentisches, Reales. Obwohl es sich um fiktionalisierte Charaktere und Inhalte handelt, bekommen wir als Zuschauer das Gef\u00fchl, dazuzugeh\u00f6ren. Die Protagonistinnen sind einem selbst fern und doch so nah. Ich glaube, jeder Jugendliche, der in der Gro\u00dfstadt aufgewachsen ist, kann mit den Protagonistinnen f\u00fchlen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Manchmal kommt es leider zu einem Bruch in der Authentizit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit des Films. So sehen Passagen des Films teilweise nachgestellt aus, etwa wenn die Protagonistin \u201eDas wird unser Sommer\u201c in ihren Taschenkalender schreibt. Auch finde ich, dass die Off-Kommentare dem Film eher schaden als ihn unterst\u00fctzen. Vieles h\u00f6rt sich vorgeschrieben und abgelesen an. Metaphern wie \u201eIch f\u00fchle mich wie ein Aufkleber, den man abgezogen hat, und nur noch ein kleiner Kleberrest ist von mir \u00fcbrig geblieben\u201c und \u201edem Leben die Farbe rausdrehen\u201c zeugen zwar von einer tollen Rhetorik, sind in unserem Sprachgebrauch jedoch eher un\u00fcblich und wirken daher auf den Zuschauer weitestgehend konstruiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\">Nach mehrmaligem Gucken muss ich aber feststellen, dass der Film dennoch durchaus packend ist. Mit 45 Minuten Laufzeit deutlich l\u00e4nger als andere Mitstreiter in der \u201eAb 18!\u201c Reihe, muss er das auch sein&#8230; Mit der Bezeichnung Dokumentarfilm kann ich mich allerdings nicht wirklich anfreunden. Ich sehe den Film eher als ein gelungenes Kunstprojekt. Kurzum: Ich w<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt; font-family: 'Arial Unicode MS';\">\u00fc<\/span><span style=\"font-size: 11.5pt;\">rde sagen, dass den Filmemachern ein guter Film gelungen ist, mit diversen kleineren Schw\u00e4chen in der Umsetzung.<\/span><\/p>\n<p class=\"Text\"><span style=\"font-size: 11.5pt;\"><!--[endif]--><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Filmkritik von\u00a0Matthias Pytlik zu Peter G\u00f6lthenboths und Anna Piltz\u2019 Dokumentarfilm \u201e10 Wochen Sommer\u201c \u2013 entstanden in der 3sat-Reihe \u201cAb 18!\u201d \u201e10 Wochen Sommer\u201c ist ein semi-dokumentarischer Film von Peter G\u00f6ltenboth und Anna Piltz. Er entstand im Rahmen eines gemeinsamen Projekts, im Zuge dessen die beiden Regisseure im Sommer 2010 zehn kleine Kameras an Jugendliche aus Berlin verteilt haben, mit denen diese ihren Alltag dokumentieren sollten. 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