{"id":543,"date":"2014-11-27T14:58:15","date_gmt":"2014-11-27T12:58:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=543"},"modified":"2018-05-23T13:26:17","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:17","slug":"vom-papier-zum-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/vom-papier-zum-bild\/","title":{"rendered":"Vom Papier zum Bild"},"content":{"rendered":"<h2>Die Erstauflage der doku.klasse ging zu Ende mit der Abschlusspr\u00e4sentation auf dem 13. doxs!-Festival. Die Teilnehmer demonstrierten ihr in den letzten Wochen erworbenes Wissen am Beispiel eines konkreten Filmprojekts \u2013 und hatten f\u00fcr drei Stipendiaten eine gute Nachricht mitgebracht.<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kaum hatten die Teilnehmer der doku.klasse die B\u00fchne im Duisburger Filmforum betreten, um ihre Arbeit zu pr\u00e4sentieren und zu res\u00fcmieren, sorgten sie f\u00fcr Applaus und drei sehr gl\u00fcckliche Filmemacher-Gesichter im Publikum. Denn sie konnten die Nachricht verk\u00fcnden, dass zwei der drei in der doku.klasse behandelten Projektideen von ZDF\/3sat realisiert werden: \u201cDiego\u201c von Kristina Konrad und \u201cIch, Kevin\u201c von Insa Onken und Gerardo Milsztein. Damit gewinnt die 3sat-Sendereihe \u201eAb 18!\u201c zwei frische Stoffe, die nicht nur \u00fcber starke Protagonisten und Geschichten verf\u00fcgen, sondern die erstmals von jungen Erwachsenen selbst im Vorfeld intensiv diskutiert und gewisserma\u00dfen f\u00fcr gut befunden wurden.<\/p>\n<h3>\u201eWir haben viel gelernt\u201c<\/h3>\n<p>Viele Stunden lang hatten die Sch\u00fcler der doku.klasse die ausgew\u00e4hlten Expos\u00e9s gew\u00e4lzt, Einsch\u00e4tzungen gegeben, eigene Ideen eingebracht, zugeh\u00f6rt und sich mit den speziellen \u00c4sthetiken und Produktionsweisen von Dokumentarfilmen vertraut gemacht. Bei der Abschlusspr\u00e4sentation stellten sie ihre Erfahrungen mit der doku.klasse einem breiten Publikum erstmalig vor. Und das Interesse war gro\u00df: Neben Sch\u00fclern mehrerer Duisburger Schulen waren auch die Kooperationspartner und F\u00f6rderer ins vollbesetzte Filmforum gekommen: die Filmredakteure Katya Mader, Udo Bremer und Daniel Sch\u00f6ssler (ZDF\/3sat); Johannes Dicke (Leiter der Programmplanung ZDF\/3sat), Leopold Gr\u00fcn (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V). und Ruth Schiffer, die Filmreferentin vom Landesministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport.<\/p>\n<p>\u201eWir haben viel gelernt\u201c, lautete das Fazit der Teilnehmer, die bei ihrer Vorstellung von Aycha Riffi, Referatsleiterin im Grimme-Institut und ebenfalls Kooperationspartnerin der doku.klasse, unterst\u00fctzt wurden. Es sei spannend gewesen, dokumentarische Projekte und ihre jeweiligen Protagonisten im Konzeptstadium kennenzulernen und eigene Ideen einzubringen. Von den Filmemachern f\u00fchlten sie sich ganz und gar ernstgenommen. Es habe eine offene und demokratische Arbeitsatmosph\u00e4re geherrscht. Die Mission Mitreden ging auf.<\/p>\n<h3>\u201eHandybilder sind das Super 8 unserer Zeit\u201c<\/h3>\n<p>Wie der Weg vom Papier zum Bild aussehen kann, demonstrierte die doku.klasse exemplarisch anhand des Films \u201c10 Wochen Sommer\u201c von Peter G\u00f6ltenboth und Anna Piltz. Der Film stammt aus der 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c und erz\u00e4hlt vom letzten gemeinsamen Sommer von vier Freundinnen, bevor sie sich in alle Winde zerstreuen. Das Besondere an dem Projekt: Die jungen Frauen filmten sich selbst. Die Teilnehmer lasen Ausz\u00fcge aus dem Treatment vor, darunter den programmatischen Satz: \u201eDigitale Aufnahmen von Handys sind das Super 8 unserer Zeit.\u201c Nach der Projektion des Films baten sie Daniel Sch\u00f6ssler, der f\u00fcr ZDF\/3sat 10 Wochen Sommer redaktionell betreut hatte, sowie die beiden Regisseure und die Protagonistinnen zum Interview.<\/p>\n<p>\u201eDurch den Wechsel von der Erwachsenenperspektive zum Blick der jungen Frauen auf sich selbst wollten wir deren Lebensgef\u00fchl direkt Bild und Ton werden lassen\u201c, erkl\u00e4rte Daniel Sch\u00f6ssler im Gespr\u00e4ch die ungew\u00f6hnliche \u00e4sthetische Entscheidung, auf eine \u201eauktoriale\u201c Kamera zu verzichten. Peter G\u00f6ltenboth und Anna Piltz konkretisierten die Intention und das Verfahren: \u201eWir wollten herausfinden, wie die junge Generation lebt und empfindet, ohne dauernd mit einem Kamerateam hinterherzuspringen.\u201c Zu diesem Zweck verteilten sie mehrere kleine Kameras unter den Protagonistinnen. \u201eWas sie filmten\u201c, so Regisseur G\u00f6ltenboth, \u201ewar ihnen v\u00f6llig freigestellt. Wir wollten bewusst keine Grenzen setzen.\u201c Daf\u00fcr nahm das Filmemacher-Duo auch eine immense Masse an Bildern in Kauf, die aber immer besser und teilweise richtiggehend k\u00fcnstlerisch geworden seien.<\/p>\n<h3>\u201e\u00dcberf\u00e4llige Reifung der Erwachsenen\u201c<\/h3>\n<p>Bei den Texten, die ein wichtiges stilistisches Element in dem Film sind, gingen Peter G\u00f6ltenboth und Anna Piltz \u00e4hnlich vor wie bei den Bildern. Sie richteten eine anonymisierte Emailadresse ein, an die alle Beteiligten ihre teils emotionalen, teil lyrischen \u201eBriefkasten-Texte\u201c schicken konnten. \u201eAus diesem Rohmaterial und aus Interviews, die wir mit den Protagonistinnen gef\u00fchrt haben, schrieben wir dann selbst die Br\u00fcckentexte.\u201c \u00dcberhaupt machten die Projektverantwortlichen keinen Hehl daraus, dass die Geschichte von \u201c10 Wochen Sommer\u201c in der Postproduktion verdichtet wurde. Sie sprachen von einem \u201eKondensat der Wirklichkeit\u201c. Piltz: \u201eDer Film ist fiktional, aber gleichzeitig auch real auf einer anderen Ebene.\u201c<\/p>\n<p>Wie das sei, sich auf der Leinwand in manchmal auch extremen Situationen und Verfassungen zu sehen, fragte ein doku.klasse-Teilnehmer die Protagonstinnen, die zum Zeitpunkt des Drehs um die 17 waren und heute um die 21 Jahre alt sind. \u201eWir waren in unserer hoch- und sp\u00e4tpubert\u00e4ren Phase damals und haben uns teilweise ganz sch\u00f6n komisch benommen\u201c, antwortete eine und f\u00fchlte sich nach eigenem Bekunden \u201eunangenehm ber\u00fchrt\u201c.<\/p>\n<p>Regisseur G\u00f6ltenboth nahm diese Reaktion auf ein euphorisches und exzessives Jung- und Freisein zum Anlass eines flammenden Pl\u00e4doyers f\u00fcr eine \u201e\u00fcberf\u00e4llige Reifung\u201c \u2013 und zwar auf Seiten der Erwachsenen. \u201eWir m\u00fcssen uns entspannen\u201c, sagte er, \u201eund den Jugendlichen mehr vertrauen.\u201c Auch wenn sie manchmal \u00fcber die Str\u00e4nge schl\u00fcgen, m\u00fcsse man nicht gleich mit Panik und Verboten reagieren. Auf den Film bezogen: \u201eIch hatte nie das Gef\u00fchl, dass bei unseren Protagonistinnen irgendetwas schiefgehen k\u00f6nnte. Und genau das ist ja auch eingetreten: Alle Vier sind angekommen und gehen ihren Weg.\u201c<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Schlusswort und Fazit, das auch f\u00fcr die Teilnehmer der ersten doku.klasse gelten k\u00f6nnte: Sie sind angekommen im Dokumentarischen und kennen ganz genau den Weg vom Papier zum Bild.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erstauflage der doku.klasse ging zu Ende mit der Abschlusspr\u00e4sentation auf dem 13. doxs!-Festival. 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