{"id":561,"date":"2014-12-16T13:23:41","date_gmt":"2014-12-16T11:23:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=561"},"modified":"2018-05-23T13:26:17","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:17","slug":"the-next-generation-der-jugendkanal-von-ard-und-zdf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/the-next-generation-der-jugendkanal-von-ard-und-zdf\/","title":{"rendered":"The Next Generation \u2013 Der Jugendkanal von ARD und ZDF"},"content":{"rendered":"<h2>Es ist entschieden: Die \u00d6ffentlichen-Rechtlichen bekommen ihren Jugendkanal. Allerdings wird er nur im Netz zu finden sein \u2013 mit Unterst\u00fctzung von TV und Radio. Junges Programm ist eher eine Frage der Haltung als des Verbreitungsweges.<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Von Jochen Voss<\/h2>\n<p>Jetzt also ein Jugendkanal. Ein Jugendkanal, der nicht wirklich ein Kanal wird, sondern auf vielen Kan\u00e4len sein Publikum findet: \u00fcber das Internet. Die im Oktober gef\u00e4llte Entscheidung der Ministerpr\u00e4sidenten sorgt f\u00fcr Raunen in der Medienlandschaft. Doch der Reihe nach.<\/p>\n<p>Schon seit einer Weile reift die Erkenntnis, dass es Fernsehprogramme k\u00fcnftig immer schwerer haben d\u00fcrften, ein junges Publikum zu erreichen und langfristig an sich zu binden. Programmverj\u00fcngung ist eine Mammutaufgabe, bei der es nicht darum geht, eine einzelne Sendung zu entwickeln. Vielmehr geht es darum, die Sprache des gew\u00fcnschten Publikums zu sprechen, das Lebensgef\u00fchl der n\u00e4chsten Generationen zu treffen, das, bedingt auch durch den digitalen Wandel, so anders ist als in den vergangenen Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Man will das junge Publikum nicht nur technisch erreichen, sondern auch in Kopf und Bauch. Statt hier und da einer Show sollte also ein trimediales Angebot her, das Fernsehen, Radio und Netz in sich vereint \u2013 mit einem TV-Kanal als zentraler Anlaufstelle und Experimentierfeld. Doch die Politik, die in Sachen zeitgem\u00e4\u00dfer Rundfunkreform in den vergangenen Jahren nicht unbedingt ein gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen bewiesen hat, ist in diesem Fall noch einen Schritt weitergegangen. Im Oktober haben die Ministerpr\u00e4sidenten der L\u00e4nder nach langen Beratungen beschlossen, ARD und ZDF damit zu beauftragen, im Internet ein neues Angebot f\u00fcr Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren auf den Weg zu bringen. 45 Millionen Euro sollen sie daf\u00fcr ausgeben. Einen eigenen Sender im Fernsehen wird es nicht geben.<\/p>\n<p>Die Idee der Politik: Fernsehen ist nicht unbedingt der Dreh- und Angelpunkt des Medienalltags junger Menschen. Was gesehen wird, entscheidet sich woanders \u2013 meist im Netz. Hier wird \u00fcber Inhalte gesprochen, hier werden Memes kreiert, hier entdeckt man in seiner Timeline, was heute interessant sein k\u00f6nnte oder wor\u00fcber man morgen spricht. Hier wird gekl\u00e4rt, ob heute der YouTube-Star auf der Agenda steht oder doch der \u201cTatort\u201c. F\u00fcr die Ministerpr\u00e4sidenten ist entscheidend, dass es einen Unterschied macht, aus welcher Perspektive man ein Angebot entwickelt. \u201eDas Konzept ist ein anderes, wenn es vom Fernsehen aus gedacht wird\u201c, erkl\u00e4rte Malu Dreyer, Ministerpr\u00e4sidentin von Rheinland Pfalz. Falsch ist das nicht. \u201eWichtig f\u00fcr uns war, dass wir von den Nutzungsgewohnheiten der jungen Menschen ausgehen, die mit dem Internet leben und es auch gewohnt sind, Kommunikation, Information und Unterhaltung zeit- und ortsunabh\u00e4ngig zu nutzen\u201c, so Dreyer.<\/p>\n<p>\u201cHaul\u201c, \u201cLet\u2019s Play\u201c, \u201cTutorial\u201c: Im Netz entstehen neue Formen f\u00fcr neue Interessen. Die Themenwelten ver\u00e4ndern sich, weil das Lebensgef\u00fchl und technische Selbstverst\u00e4ndlichkeiten sich ver\u00e4ndern und mit ihnen die Perspektiven, Dramaturgien und Vernetzungsm\u00f6glichkeiten. Ein YouTube-Video ist mehr als ein Bewegtbildangebot. Es ist Information, Berieselung, Lehrstunde, Entscheidungshilfe, Kommunikationsplattform, Fundgrube in allen Richtungen. Klassisches Fernsehen, und damit auch das Angebot von ARD und ZDF, ist nach wie vor bedeutend. Aber nicht mehr durch blo\u00dfe Existenz. Es muss sich seine Aufmerksamkeit im vielstimmigen Chor der Angebote verdienen. Sendung um Sendung, Ausgabe um Ausgabe. Denn anders als mancherorts gedacht ist im Netz viel Qualit\u00e4t zu finden. Da gibt es deutlich mehr als Trash, Gewalt und Katzen. Wer hier punkten will, muss seine Zuschauer sehr gut kennen: Motive, Ziele, Lebensstile. Das junge Publikum ist es mittlerweile gewohnt, dass man sich darum schert, was sie ber\u00fchrt. Produkt- und Software-Entwickler machen es bereits seit Jahren nicht anders. Wenn Content der K\u00f6nig ist, dann ist Relevanz der Kaiser. Thematischer Zugang, Recherche, Dramaturgie, Produktionsweise \u2013 alles muss stimmen. Junges Programm ist nicht zwingend ein konkreter Inhalt. Es ist eine Haltung.<\/p>\n<p>Fernsehprogramme werden bisher als in sich geschlossene Werke gedacht, als Sendungen mit klarem Anfang und Ende: \u201eVorne Hallo!, hinten Wetter\u201c, wie mal eine TV-Redakteurin sagte. Doch wo fr\u00fcher eine Sendung, eine Rubrik, ein Beitrag im Bewusstsein waren, flie\u00dft heute ein unersch\u00f6pflicher Content-Strom im Hypertext. Die Fokussierung auf das Internet bedeutet jedoch nicht, dass ARD und ZDF ihre bisherigen Radio- und TV-Kompetenzen im Jugendangebot \u00fcber den Haufen werfen m\u00fcssen. Das w\u00e4re auch fatal. Denn bei den \u00d6ffentlich-Rechtlichen gibt es journalistische Qualit\u00e4t und Unterhaltungs-Know-how zuhauf. Die Kunst liegt jetzt darin, diese Qualit\u00e4ten in ein neues Medienzeitalter zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Politik erwartet vom Jugendangebot ganz ausdr\u00fccklich eine Vernetzung mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Medien. Allen voran sind hier wohl die jungen, hochcommunityf\u00e4higen Jugendwellen der ARD zu nennen. Und wenn es schon um einen \u00dcbergang in eine neue Zeit geht: Auch daf\u00fcr ist die politische Entscheidung ein Signal. Denn erstmals d\u00fcrfen ARD und ZDF jetzt ganz ausdr\u00fccklich \u201eonline only\u201c produzieren. Bislang sind Online-Inhalte nur begleitend zu bestehenden Sendungen oder nach einem Pr\u00fcfverfahren, dem sogenannten Drei-Stufen-Test, erlaubt.<\/p>\n<p>Ganz nebenbei ist das \u00fcbrigens auch einer der Gr\u00fcnde, warum so manchem Print-Verlag das Jugend-Projekt offenbar nicht schmeckt. Hier f\u00fcrchtet man die Konkurrenz geb\u00fchrenfinanzierter Angebote im Netz. Da wundert es nicht, dass \u201cDie Zeit\u201c in einem Gastartikel schon mal prophylaktisch eine 14-J\u00e4hrige gegen das Angebot poltern l\u00e4sst, das in ihren Augen \u00fcberfl\u00fcssig ist. Dabei gibt es derzeit weder einen Namen noch ein Detailkonzept noch konkrete Inhalte \u2013 geschweige denn das Gesetz, das den Sender tats\u00e4chlich bei ARD und ZDF in Auftrag gibt.<\/p>\n<p>Und so beginnt mit der Fokussierung auf das Netz, das mit Inhalten aus TV und Radio verkn\u00fcpft werden soll, auch die neue Auslotung der k\u00fcnftigen Aufgaben von ARD und ZDF in der digitalen Medienwelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist entschieden: Die \u00d6ffentlichen-Rechtlichen bekommen ihren Jugendkanal. Allerdings wird er nur im Netz zu finden sein \u2013 mit Unterst\u00fctzung von TV und Radio. 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