{"id":777,"date":"2015-10-12T14:01:54","date_gmt":"2015-10-12T12:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=777"},"modified":"2018-05-23T13:26:16","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:16","slug":"die-persoenlichkeit-ist-interessant-nicht-die-blindheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/die-persoenlichkeit-ist-interessant-nicht-die-blindheit\/","title":{"rendered":"Die Pers\u00f6nlichkeit ist interessant, nicht die Blindheit"},"content":{"rendered":"<h3>Die doku.klasse mit Bernd Sahling zu seinem Projekt \u201eIm Nest der Katze\u201c<\/h3>\n<p>Bernd Sahling ist nicht unbedingt ein Anh\u00e4nger von Treatments im Dokumentarfilm. \u201eEin Treatment zu schreiben, ist schwierig f\u00fcr einen Dokumentaristen. Wir beschreiben Dinge, die wir beobachtet haben. Aber die Situationen sind meist andere, wenn irgendwann gedreht werden kann.\u201c Daher hat er in seinem Konzept den Fokus auf die vorherigen drei Teile seiner Langzeitbeobachtung von Anne gelegt. Er begleitet die blinde junge Frau schon seit ihrem zweiten Lebensjahr. Vor kurzem hat sie ihr Studium in Leipzig abgebrochen und ist zur\u00fcck zu ihren Eltern nach Erfurt gezogen. Ein neuer Lebens-abschnitt beginnt \u2013 und Sahling m\u00f6chte ihn vor dem Hintergrund des Vergangenen dokumentieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Workshop wurde die Rolle des Regisseurs selbst diskutiert, als langj\u00e4hriger Vertrauter der Familie der Protagonistin. Er kenne nat\u00fcrlich die Konflikte und d\u00fcrfe als Freund vielleicht anders fragen denn als Fremder, sagte Sahling. Das bringe aber auch ein besonderes Ma\u00df an Verantwortung mit sich. \u201eDie Frage ist immer: Was wollen wir am Ende der \u00d6ffentlichkeit preisgeben?\u201c<\/p>\n<p>Mit ihren mittlerweile \u00fcber 30 Jahren entspricht Anne nicht mehr der Vorgabe von 3sat f\u00fcr das H\u00f6chstalter der Protagonisten. F\u00fcr die Klasse war das kein Problem. Anne st\u00fcnde jetzt an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sich auch viele mit Mitte 20 befinden k\u00f6nnen. Und: Ihre Blindheit habe nicht den Ausschlag f\u00fcr die Auswahl des Stoffes gegeben. \u201eAnnes Konflikte existieren auch abseits von ihrer Blindheit\u201c, sagte ein Teilnehmer. \u201eMan kann sich mit ihr identifizieren.\u201c F\u00fcr Bernd Sahling ist das ein wichtiger Punkt: \u201eWenn die Blindheit das eigentliche Thema des Films sein m\u00fcsste, w\u00fcrde ich ihn nicht machen wollen. Annes Pers\u00f6nlichkeit interessiert mich und wie sie ihr Leben gestaltet. Da ist Blindheit ein Aspekt von vielen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Sie kennen die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Ihren Filmen und den vielen Filmwerkst\u00e4tten, die Sie schon veranstaltet haben. Was waren f\u00fcr Sie die hervorstechendsten Merkmale der doku.klasse?<\/strong><br \/> Zun\u00e4chst einmal die Zeit. Man muss nicht hetzen, keiner rennt nach einer halben Stunde zum Bus. Wir hatten einen ganzen Vormittag, um uns zusammen Ausschnitte aus meinen vorherigen Langzeitdokumentationen anzusehen, und dann noch einmal drei Stunden f\u00fcr das aktuelle Projekt. Was ich noch bemerkenswert fand, war die detaillierte Vorbereitung der Teilnehmer. Auf dem Boden lagen Zeichnungen, die f\u00fcr Themen standen, die in einem Seminar vor unserem Treffen diskutiert wurden und sich f\u00fcr die Jugendlichen aus dem Projektvorschlag ergeben haben. Ich f\u00fchlte mich fast an die Gliederung meiner Diplomarbeit \u00fcber dokumentarische Langzeitprojekte erinnert. (lacht)<\/p>\n<p><strong>Kamen in der Diskussion Aspekte zur Sprache, die Ihren Blick auf den Stoff ver\u00e4ndert haben oder die Sie in die weitere Arbeit an dem Projekt eventuell miteinflie\u00dfen lassen? <br \/> <\/strong>So eine intensive Diskussion ver\u00e4ndert immer etwas oder bringt einen auf neue Gedanken. Zum Beispiel sprachen wir dar\u00fcber, welche Fragen die Teil-nehmer Anne stellen w\u00fcrden. Eine Frage war: Was willst du in zehn Jahren erlebt und erreicht haben? Auch wenn ich die Frage im Film so h\u00f6chstwahrscheinlich nicht stellen w\u00fcrde, ist es doch ein wesentlicher Aspekt: Wie geht es jetzt weiter, nachdem es mit dem Studium nicht so geklappt hat wie erhofft? Muss es einen Plan geben? Oder geht es auch ohne ganz gut?<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnten Sie sich vorstellen, weiter mit der doku.klasse an dem Projekt zu arbeiten?<br \/><\/strong>Die Idee ging mir gerade durch den Kopf, als ich nach dem Seminar im Zug sa\u00df. Ich w\u00fcrde die Gruppe, sofern das Projekt realisiert wird, gerne in die Rohschnittgespr\u00e4che einbeziehen. Gerade weil ein Rohschnitt im Dokumentarfilm oft sehr von dem abweicht, was mal im Treatment auf dem Papier stand. Die jungen Leute k\u00f6nnten dabei einen Einblick in diese Phase der Dokumentarfilmentstehung bekommen und ich ein zus\u00e4tzliches Feedback. Etwa wo der Rohschnitt noch hakt oder schlicht langweilig ist. Letztendlich wissen wir erst am Schneidetisch, was wir im Rahmen der Produktions-bedingungen und abh\u00e4ngig von vielen Zuf\u00e4llen auf die Festplatte bekommen konnten. Da f\u00e4ngt die Bucharbeit f\u00fcr den Film von vorne an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die doku.klasse mit Bernd Sahling zu seinem Projekt \u201eIm Nest der Katze\u201c Bernd Sahling ist nicht unbedingt ein Anh\u00e4nger von Treatments im Dokumentarfilm. \u201eEin Treatment zu schreiben, ist schwierig f\u00fcr einen Dokumentaristen. 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