{"id":795,"date":"2015-10-13T16:10:35","date_gmt":"2015-10-13T14:10:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=795"},"modified":"2018-05-23T13:26:16","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:16","slug":"kein-spinner-sondern-ein-suchender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/kein-spinner-sondern-ein-suchender\/","title":{"rendered":"Kein Spinner, sondern ein Suchender"},"content":{"rendered":"<h2>Die doku.klasse mit Andreas Hartmann zu seinem Projekt \u201eFreier Mensch\u201c<strong><\/p>\n<p><\/strong><\/h2>\n<p>Kei h\u00e4tte den Weg seiner Eltern gehen k\u00f6nnen, aber er scherte aus. Der Preis daf\u00fcr ist ein prek\u00e4res Leben ohne festen Wohnsitz in Kyoto. Ob der 22-J\u00e4hrige mit seiner Obdachlosigkeit zufrieden sei, wurde im Workshop gefragt. \u201eJa\u201c, antwortete Andreas Hartmann, \u201ees war seine freie Entscheidung.\u201c<br \/><!--more--><br \/>Das Schicksal des Protagonisten ging den Teilnehmern sp\u00fcrbar nahe. Sein Changieren zwischen der harten Realit\u00e4t auf der Stra\u00dfe und einer warmen Fantasiewelt, in die er sich immer wieder zur\u00fcckzieht. Hier ist kein Spinner am Werk, sondern ein Suchender. Besonders beeindruckt zeigte sich die Klasse von einem Recherchetrailer Hartmanns, der nicht nur Kei als konkret erlebbare Person vorstellte, sondern auch einen Eindruck von der \u00e4sthetischen Agenda des Regisseurs gab. Die Bilder bes\u00e4\u00dfen eine gro\u00dfe visuelle Kraft und Poesie, lautete der Tenor, und reichten weit \u00fcber das reine Fernsehformat hinaus. F\u00fcr Andreas Hartmann, der Kamera studiert hat, ist der Kern seines visuellen Konzepts Intuition. \u201eIch verfolge keinen bewussten, vorher ausgearbeiteten Plan. F\u00fcr mich ist es wichtig, im Moment zu sein und auf den Protagonisten zu reagieren, so wie ich im Augenblick der Aufnahme empfinde.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Workshopteilnehmer nahmen deine Hauptfigur sehr positiv auf und konnten sich mit ihr identifizieren. Hattest du eine solche Reaktion erwartet?<\/strong><br \/> Ich hatte sie mir zumindest erhofft und bin froh dar\u00fcber. Kei lebt ein v\u00f6llig anderes Leben, weit weg von uns. Ein Teilnehmer sagte, dass ihm aber genau diese Distanz und Fremdheit geholfen h\u00e4tten, sich mit ihm eng verbunden zu f\u00fchlen. Dazu denke ich, dass der Stoff generelle Fragen anspricht, die jeden besch\u00e4ftigen, junge Menschen vielleicht noch mehr als \u00e4ltere. Zum Beispiel: Wie frei kann ich leben? Muss es Begrenzungen geben, um frei sein zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Kei lebt im Spannungsfeld zwischen Prekariat und Freiheit. Thema in der Klasse war es, wie man diese Spannung erz\u00e4hlen k\u00f6nnte.<br \/><\/strong>Ja, diese Diskussion hat mich ziemlich aufger\u00fcttelt und zum Nachdenken gebracht. Wie geht man mit dem Konflikt um, in dem sich Kei befindet? Also dem zwischen seiner inneren, fantasierten Welt in scheinbarer Freiheit einerseits und der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit, in der er sich mit der Notwendigkeit konfrontiert sieht, Geld zu verdienen und daf\u00fcr eine gewisse Unfreiheit in Kauf zu nehmen. Im Treatment ging ich von Keis Scheitern aus. In der doku.klasse aber kamen wir zu dem Schluss, dass das gar nicht zwangsl\u00e4ufig der Fall sein muss \u2013 und der Film eher mit einer offenen Frage enden sollte.<\/p>\n<p> <strong>Viel Zustimmung gab es f\u00fcr den Titel des Projekts. Stand er f\u00fcr dich \u00fcberhaupt noch zur Disposition?<br \/><\/strong>\u201eFreier Mensch\u201c war bislang lediglich der Arbeitstitel. Insofern war das ein wertvolles Feedback. Den Teilnehmern gefiel die Offenheit des Ausdrucks. \u201eFreier Mensch\u201c kommt aus dem Japanischen und ist eine Kombination aus den zwei Kanji-Schriftzeichen Jiyu (Freiheit) und Jin (Mensch). Er steht f\u00fcr eine Person, die den gesellschaftlich vorge-sehenen Weg verlassen hat. Ich habe ihn f\u00fcrs Deutsche adaptiert und bin froh, dass er anscheinend funktioniert.<\/p>\n<p><strong>Hat sich diese Form der Auseinandersetzung mit einem Stoff, wie sie in der doku.klasse praktiziert wird, f\u00fcr dich bew\u00e4hrt?<br \/><\/strong>Auf jeden Fall! Ich wurde \u00fcber den Dialog mit Aspekten konfrontiert, die ich vorher noch nicht so gesehen hatte. Da waren einige spannende Erkenntnisse f\u00fcr mich dabei. Es war interessant, den Stoff aus der Generation meines Protagonisten gespiegelt zu bekommen. Das gab noch einmal einen anderen Input. Ich will im weiteren Verlauf des Projekts auf jeden Fall mit der doku.klasse in Kontakt bleiben.<\/p>\n<h2><strong>\u00a0<\/strong><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die doku.klasse mit Andreas Hartmann zu seinem Projekt \u201eFreier Mensch\u201c Kei h\u00e4tte den Weg seiner Eltern gehen k\u00f6nnen, aber er scherte aus. Der Preis daf\u00fcr ist ein prek\u00e4res Leben ohne festen Wohnsitz in Kyoto. 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