{"id":801,"date":"2015-10-21T16:27:26","date_gmt":"2015-10-21T14:27:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=801"},"modified":"2018-05-23T13:26:16","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:16","slug":"die-perfekte-aufnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/die-perfekte-aufnahme\/","title":{"rendered":"Die perfekte Aufnahme"},"content":{"rendered":"<h2>Eine Filmkritik von Ajla Kavaz zu Kristina Konrads Dokumentarfilm \u201eDiego\u201c \u2013 entstanden in der 3sat-Reihe \u201cAb 18!\u201d<\/p>\n<\/h2>\n<p>Der Dokumentarfilm \u201eDiego\u201c aus der 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c l\u00e4sst den Zuschauer am Alltag des gleichnamigen Protagonisten teilhaben. Wir begleiten Diego bei seinem Studium an der University of Oxford, dem Treffen mit Freunden, Sporteinheiten und Zeit mit der Familie. Des Weiteren arbeitet er an einer App mit der man Fotos hochladen und teilen kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Protagonist scheint einen unglaublich stressigen und durchorgansierten Alltag zu haben. Alleine den Aufgaben seines Physik-Studiums widmet er w\u00f6chentlich zwischen 35 und 50 Stunden. Nebenbei trainiert er noch regelm\u00e4\u00dfig und pflegt seine sozialen Kontakte. Wir treffen auf viele Nebencharaktere, wie seine Freunde an der Uni, mit denen er abends auch gerne mal ausgeht. Dabei ist Diego h\u00e4ufig am Telefonieren, um Termine zu besprechen. Trotz all dieser Dinge, die Diegos Aufmerksamkeit erfordern, schafft es der junge Mann, alles zu koordinieren und dabei nicht die Kontrolle zu verlieren.<\/p>\n<p>Kristina Konrad spart an Hintergrund-Informationen, die zun\u00e4chst wichtig erscheinen. Im Laufe des Films werden die meisten Fragen jedoch beantwortet, ohne sie konkret ansprechen zu m\u00fcssen. So wird beispielsweise die Trilingualit\u00e4t des Protagonisten durch Szenen im Elternhaus deutlich, in denen die Familie auf drei Sprachen ganz selbstverst\u00e4ndlich untereinander kommuniziert.<\/p>\n<p>Der Film \u00fcberzeugt mit einer sch\u00f6nen Bildsprache. Die Kameraf\u00fchrung ist, bis auf wenige Szenen beim Laufen, sehr ruhig und unaufgeregt. Auch die Farben nehmen sich eher zur\u00fcck und wirken sehr ruhig. Dieser Eindruck wird durch eine unaufdringliche Ger\u00e4uschkulisse untermalt. Die Kamera hingegen ist w\u00e4hrend des ganzen Filmes sehr pr\u00e4sent. Der Protagonist unterh\u00e4lt sich mit der Regisseurin und auch seine Freunde erinnern den Zuschauer h\u00e4ufig daran, dass Diego st\u00e4ndig von einem kompletten Team begleitet wird. Den Blick in die Kamera scheut er nicht. Bei Szenen, wie beispielsweise w\u00e4hrend seines Trainings, gibt es ganze Sequenzen in denen er konsequent in die Kamera schaut. Auch in anderen Situationen wandert sein Blick immer wieder genau in die Linse. Es scheint als sei ihm die Pr\u00e4senz der Kamera zu bewusst, wodurch viel an Authentizit\u00e4t verloren geht. Viele Handlungen wirken sehr bedacht auf ihre Wirkung beim Zuschauer. Sogar in sehr famili\u00e4ren Situationen, wie dem Musizieren mit seinem Vater, sind von Diego S\u00e4tze zu h\u00f6ren wie \u201eWir machen die perfekte Aufnahme!\u201c, w\u00e4hrend er direkt in die Kamera schaut.<\/p>\n<p>Dem Zuschauer bleibt Diegos Emotionswelt dadurch lange verschlossen. Erst zum Ende hin wird bei einem sehr pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch mit der Regisseurin der Charakter des Protagonisten greifbarer. Er \u00f6ffnet sich, \u00c4ngste werden besprochen und es wird deutlich, wieso er sich so sehr unter Druck setzt: Diego m\u00f6chte die Dinge kontrollieren und jede Chance, f\u00fcr sich selbst bestm\u00f6glich nutzen. Dabei spricht er von seinem Studium und beruflichen Perspektiven, aber vor allem von pers\u00f6nlichen Belangen wie der Liebe.<\/p>\n<p>Insgesamt vermittelt der Dokumentarfilm \u201eDiego\u201c einen Eindruck des Alltags eines \u00fcberaus zielstrebigen Oxford Studenten, der gerne die Kontrolle \u00fcber sein Leben hat. Der Film gew\u00e4hrt Einblicke in ein Leben, das den meisten vermutlich fremd ist. Der Zuschauer bleibt den ganzen Film \u00fcber in einer beobachtenden Position \u2013 mit dem Gef\u00fchl, dass Diego auch dem Zuschauer gegen\u00fcber die Kontrolle lieber behalten will.<\/p>\n<p>Zu sehen gibt es &#8222;Diego&#8220; derzeit in der <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=53330\" target=\"_blank\">3sat-Mediathek<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Filmkritik von Ajla Kavaz zu Kristina Konrads Dokumentarfilm \u201eDiego\u201c \u2013 entstanden in der 3sat-Reihe \u201cAb 18!\u201d Der Dokumentarfilm \u201eDiego\u201c aus der 3sat-Reihe \u201eAb 18!\u201c l\u00e4sst den Zuschauer am Alltag des gleichnamigen Protagonisten teilhaben. Wir begleiten Diego bei seinem Studium an der University of Oxford, dem Treffen mit Freunden, Sporteinheiten und Zeit mit der Familie. 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