{"id":839,"date":"2015-11-30T11:58:19","date_gmt":"2015-11-30T09:58:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.do-xs.de\/doku-klasse\/?p=839"},"modified":"2018-05-23T13:26:16","modified_gmt":"2018-05-23T11:26:16","slug":"lernen-und-ein-bisschen-disco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.do-xs.de\/documasterclass\/lernen-und-ein-bisschen-disco\/","title":{"rendered":"Lernen und ein bisschen Disco"},"content":{"rendered":"<h2>Es war eine absolute Premiere: Erstmals wurde beim doxs!-Festival ein Film pr\u00e4sentiert, der noch im Jahr davor in der doku.klasse als Stoff diskutiert worden war. Die Spannung war gro\u00df, wie \u201eDiego\u201c von Kristina Konrad den Sprung vom Treatment auf die Leinwand nehmen w\u00fcrde.<\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Man kann es durchaus als Privileg betrachten, Texte zu lesen, die sonst nur ein eingeschworener Kreis von Leuten in der Produktion und bei 3sat zu Gesicht bekommen. Die doku.klasse hatte dieses Privileg in diesem Jahr schon zum zweiten Mal. Sie diskutierte und analysierte erneut drei Stoffe, die f\u00fcr die Ausschreibung der 3sat-Sendereihe \u201eAb 18!\u201c eingereicht worden waren. Eva Hausberger, eine der beteiligten Regisseurinnen, sprach von einer \u201esch\u00f6nen Erfahrung\u201c. Noch nie sei ein Konzept von ihr derma\u00dfen ausf\u00fchrlich und fundiert auseinandergenommen worden wie in dem Workshop der doku.klasse. \u201eIch habe dadurch neue Kraft gesch\u00f6pft\u201c, schw\u00e4rmte sie. \u2028\u2028Die \u00d6sterreicherin war wie ihr Regiekollege Andreas Hartmann zur diesj\u00e4hrigen Abschlusspr\u00e4sentation der doku.klasse nach Duisburg gekommen. Neben ihnen hatten sich auch Sch\u00fcler mehrerer Duisburger Schulen im Filmforum eingefunden sowie die Kooperationspartner und F\u00f6rderer: die 3sat-Redakteure Katya Mader und Udo Bremer, Johannes Dicke (Stabsstelle Programmplanung ZDF\/3sat), Leopold Gr\u00fcn (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V.), Katrin Moll (Deutschlandradio Kultur) und Ruth Schiffer, die Filmreferentin des Landesministeriums f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Wie im Vorjahr f\u00fchrte Aycha Riffi (Grimme-Akademie) durch die Veranstaltung.<\/p>\n<blockquote>\n<h2>\u201eEine Mischung aus Neugier, Posieren und ein bisschen Show\u201c<\/h2>\n<\/blockquote>\n<p>Alle Blicke waren auf Kristina Konrad und die Premiere ihres Films \u201eDiego\u201c gerichtet. Im Herbst 2014 hatte die Schweizer Filmemacherin ihre Geschichte \u00fcber den jungen Oxford-Studenten in der doku.klasse vorgestellt. \u201eIch bin sehr neugierig, an der Seite von Diego in die elit\u00e4re Welt der Oxford-Universit\u00e4t und der Hochfinanz einzutauchen und sie n\u00e4her kennenzulernen&#8220;, sagte sie damals im Workshop. Der Stoff stie\u00df bei den Teilnehmern auf gro\u00dfes Interesse, auch wenn Diego durchaus nicht allen sympathisch war. Zu selbstbewusst erschien er manchen, zu meinungsstark. Ein Spr\u00f6ssling aus reichem Haus mit neoliberalem Weltbild. \u2028\u2028<\/p>\n<p>Kristina Konrad zeigt den Sohn eines Schweizer Finanzindustriellen in ihrem 45-min\u00fctigen Portr\u00e4t zwischen Studium und Sport, Ausgehen und Arbeitstreffen bei einem Freund, mit dem er eine Fotosharing-App entwickelt. Mit \u201eLernen und ein bisschen Disco\u201c umriss Konrad den Aktionsradius des heute 23-J\u00e4hrigen nach dem Screening mit einem Augenzwinkern. In \u201eDiego\u201c entsteht das Bild eines ehrgeizigen jungen Mannes, der hohe Anspr\u00fcche an sich hat und gerne alle F\u00e4den in der Hand beh\u00e4lt. Und der ein enges Verh\u00e4ltnis zu seinem Vater pflegt. Die beiden musizieren und baden zusammen, oder sie tauschen sich aus \u00fcber berufliche Perspektiven und \u00f6konomische Einsch\u00e4tzungen. Konrad zeigt ein junges, dynamisches und privilegiertes Leben zwischen der Studentenbude in Oxford und dem Zweitwohnsitz der Eltern in der Schweiz mit Whirlpool und Blick auf den See.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Drehtage hatte die Autorin f\u00fcr ihr Projekt zur Verf\u00fcgung. Gegen ihre Gewohnheit r\u00e4umte sie ihrem Protagonisten das Recht ein, den fertigen Film vor der Ver\u00f6ffentlichung zu sehen. \u201eEr hatte null Einfluss auf das Endergebnis, aber er behielt sich die Option eines Vetos vor, sollte der Film &#8218;katastrophale Folgen&#8216; f\u00fcr ihn haben.\u201c Das war nicht der Fall, im Gegenteil. Mit dem Satz \u201eYou did a good job\u201c gab Diego seinen Segen.<\/p>\n<blockquote>\n<h2>\u201eIch wollte kein Gesamtportr\u00e4t erz\u00e4hlen, sondern Momente aus Diegos Leben abbilden.\u201c<\/h2>\n<\/blockquote>\n<p>\u00dcber die Gr\u00fcnde, warum er bei dem Film mitgemacht habe, konnte die Regisseurin nur mutma\u00dfen. Wahrscheinlich sei es \u201eeine Mischung aus Neugier, Posieren und ein bisschen Show\u201c gewesen. Zudem sei sie eine Vertraute der Familie. Der Bruder von Konrad war ein Jugendfreund von Diegos Vaters. Es bestand also von vornherein ein Band zwischen der Regisseurin und ihrem Protagonisten.\u2028<\/p>\n<p>Der Film erntete viel Zustimmung, trotzdem blieb f\u00fcr die 15-k\u00f6pfige doku.klasse die eine oder andere Frage offen. Eine Teilnehmerin vermisste etwa den roten Faden in der Geschichte, eine \u201ePointe\u201c. Konrad: \u201eIch habe den Film ganz bewusst fragmentarisch geschnitten. Es ging mir nicht darum, ein Gesamtportr\u00e4t zu erz\u00e4hlen, das alles abdeckt und eine dramaturgische Entwicklung beschreibt. Ich wollte vielmehr Momente aus Diegos Leben abbilden.\u201c Aus einem Leben, das in seiner famili\u00e4ren Anlage auf eine straighte Karriere ausgerichtet ist, Konrad zufolge aber genauso in Schleifen verl\u00e4uft wie bei anderen jungen Leuten auch: Diego hat den Sommer nicht mit der urspr\u00fcnglich geplanten Vermarktung und Investorensuche f\u00fcr sein App-Projekt verbracht, sondern ist lieber herumgereist. Und f\u00fcr die anvisierte Promotion wird es m\u00f6glicherweise auch nicht reichen.<\/p>\n<p>Einem anderen Diskutanten fehlte \u201eein Aspekt des Kritischen\u201c in dem Film. Die Lebensweise Diegos und seiner Familie, diese \u201eabgehobene Welt\u201c, w\u00fcrden seiner Meinung nach nicht hinreichend kritisch hinterfragt. Die Regisseurin gab offen zu, dass sie mit einer fundierten und systematischen Kritik an der Finanzwelt auch \u00fcberfordert gewesen w\u00e4re. \u201eDas h\u00e4tte den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen des Projekts gesprengt.\u201c Eine Festivalbesucherin sprang Kristina Konrad bei: Sie habe den Film gar nicht als unkritisch empfunden. Vielmehr erz\u00e4hle er in ihrer Wahrnehmung sehr subtil vom Scheitern. \u201eMir hat &#8218;Diego&#8216; jedenfalls sehr gut gefallen.\u201c Gespr\u00e4che zum Thema Privilegien und soziale Verantwortung habe es laut Konrad durchaus gegeben. Und trotzdem sei letztendlich im Schnitt die Entscheidung gefallen, diese Passagen wieder herauszunehmen. \u201eDas war Politikergeschwafel, mehr nicht. Ich finde, es sagt mehr aus, wenn wir diesem Leben einfach nur zugucken.\u201c<\/p>\n<p class=\"jetpack-slideshow-noscript robots-nocontent\">Diese Diashow ben\u00f6tigt JavaScript.<\/p><div id=\"gallery-839-1-slideshow\" class=\"jetpack-slideshow-window jetpack-slideshow jetpack-slideshow-black\" data-trans=\"fade\" data-autostart=\"1\" data-gallery=\"[{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6494-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;856&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6501-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;854&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6505-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;853&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6512-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;852&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6549-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;847&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6542-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;849&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6528-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;850&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6521-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;851&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6550-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;846&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6557-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;845&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6565-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;844&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;},{&quot;src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.do-xs.de\\\/documasterclass\\\/wp-content\\\/uploads\\\/IMG_6568-klein.jpg&quot;,&quot;id&quot;:&quot;843&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;doku.klasse&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;itemprop&quot;:&quot;image&quot;}]\" itemscope itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageGallery\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine absolute Premiere: Erstmals wurde beim doxs!-Festival ein Film pr\u00e4sentiert, der noch im Jahr davor in der doku.klasse als Stoff diskutiert worden war. 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