Autor: doxs!

Wir geben Stoff #

Zum fünften Mal begleitet doxs! die 3sat-Ausschreibung „Ab 18!“ mit einem Stipendiatenprogramm für Filmemacher: der doku.klasse. In ihr haben Dokumentaristen die Gelegenheit, mit Jugendlichen in einen kreativen Dialog über ihre Projekte zu treten, unmittelbar und von beidseitigem Nutzen.

Es bleibt offen

Eine Filmkritik von Jasmin Kreilos zu Kilian Helmbrechts „Einmannland“ (2017) – entstanden in der 3sat-Reihe „Ab 18!“ Was bewegt einen jungen Menschen dazu, freiwillig sechs Wochen lang auf einer einsamen Insel Vögel zu zählen? In Zeiten von Digitalisierung und ständiger Erreichbarkeit scheint dies wie ein Traum. Kilian Helmbrecht, gleichzeitig Regisseur und Protagonist, macht in „Einmannland“ genau diese Erfahrung. Im Frühjahr 2016 hat er auf der Nordseeinsel Scharhörn die Vogelpopulation gezählt und seine Erlebnisse mit der Kamera festgehalten.

doku.klasse

„Wenn die Zeit stillsteht“

Eine Filmkritik von Finn Schenkin zu Florian Barons Film „Joe Boots“ (2017) – entstanden in der 3sat-Reihe “Ab 18!” Der Dokumentarfilm „Joe Boots“ von Florian Baron aus dem Jahr 2017 erzählt die Geschichte des gleichnamigen Protagonisten, der sein Leben freiheraus schildert. Der Zuschauer erfährt, wie der junge US-Amerikaner Joe Boots zum Militär kam, was er dort erlebte und wie er anschließend zwischen Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Depression und Alkoholsucht „mit dem Tod tanzte“. Dabei gelingt es dem Film durch seine geschickte Verknüpfung von Bild und Ton, die für den Zuschauer surreale Welt des kriegsgeschädigten Protagonisten auf die bekannte Alltagswelt zu übertragen. So ist zu verstehen, wie der Krieg einen Menschen verändern kann.

Ein Zimmer für Zwei

Beim diesjährigen doxs!-Festival liefen gleich drei Filme, deren Stoffe im vergangenen Jahr in der doku.klasse diskutiert wurden. Den Schlusspunkt bildete die Festivalpremiere von „Du warst mein Leben“ von Rosa Hannah Ziegler, einem dokumentarischen Kammerstück über eine spannungsreiche Mutter-Tochter-Beziehung. Die Intensität des Gezeigten ließ niemanden kalt. „Wir könnte ja heute vielleicht mal ein bisschen reden. Dann gucken wir einfach, was passiert.“ (Yasmin) Zwei Frauen in einem vielstöckigen Beton-Hotel auf Borkum. Im Hintergrund das Meer, der Ausblick ist diesig, es könnte schöner sein. Nach einer langen Zeit des Schweigens starten Yasmin und ihre Mutter Eleonore einen neuen Versuch, um sich auszusprechen und zueinander zu finden. Einfach gucken, was passiert. Das Gespräch beginnt stockend, gewinnt an Fahrt, bricht ab, flammt wieder auf, fasert aus. Reden, nicht reden, nur dasitzen, rauchen. Die Vergangenheit hängt wie Smog in der Luft, die Möwen tanzen über dem Balkon. 2016 stellte Rosa Hannah Ziegler ihren Stoff in der doku.klasse vor. Damals war noch völlig unklar, ob es überhaupt zu dem Treffen zwischen Mutter und Tochter kommen würde. Zu tief war der Bruch zwischen …

Bilder statt Rollen

Über jemanden oder mit jemandem sprechen? Von oben herab schauen oder auf Augenhöhe sein? Position beziehen und beziehen lassen. Regisseurin Pantea Lachin hat mit den TeilnehmerInnen der doku.klasse gemeinsam überlegt, wie ein respektvolles dokumentarisches Portrait über zwei achtzehnjährige Geflüchtete gelingen kann.

Neue Blicke satt

Wäre die doku.klasse ein Wirtschaftsunternehmen, wäre „gesundes Wachstum“ wohl das Stichwort, das diesem Artikel als Überschrift diente. Ist sie aber zum Glück nicht. Stattdessen sagen wir einfach: Die doku.klasse hat Zuwachs bekommen. 14 SchülerInnen des Duisburger Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums verstärken in diesem Jahr die Runde der jugendlichen TeilnehmerInnen. Frische, unverblümte Blicke, die die Kompetenz der doku.klasse stählen! Auch ganz ohne den Harvard Business Manager im Abo zu haben, wissen wir schließlich wie Weiterentwicklung funktioniert.

Das Auge ist kein Automat

Die doku.klasse präsentiert die StipendiatInnen des 4. Jahrgangs:  Pantea Lachin, Gerd Breiter und Andreas Bolm Eine Filmemacherin aus Berlin und ein Regie-Duo haben in diesem Jahr die Neugierde der doku.klasse geweckt. Ab Oktober 2017 werden sie ihre Stoffe mit den jugendlichen TeilnehmerInnen in Duisburg im Rahmen von eintägigen Workshops diskutieren. Für die StipendiatInnen eine Chance, die Themen und Sehgewohnheiten junger Zuschauer besser kennenzulernen und neue Potentiale in ihren Treatments zu entdecken. Die Jugendlichen wiederum sind direkt am künstlerischen Prozess beteiligt und erfahren aus erster Hand, wie filmisches Arbeiten funktioniert. Willkommen in der doku.klasse! Pantea Lachin porträtiert in „(un-)gleiche Freunde“ zwei junge geflüchtete Afghanen. Die Protagonisten Soheil und Yasser teilen das Alter (18 Jahre) und ihre Heimat, aber die Folgen ihrer Flucht nach Deutschland stellen die beiden vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Die Filmemacherin will mit diesem Film den einschlägigen Bildern und Narrativen von Migration eine neue Perspektive entgegensetzen. Ihr Stoff verhandelt grundsätzliche Fragen dokumentarischen Arbeitens: Nähe, Distanz, Voyeurismus, Respekt und Augenhöhe mit den Protagonisten. Gerd Breiter und Andreas Bolm begleitet in ihrem Projekt „Mein letztes Video“ einen 20-jährigen YouTuber bei seiner Entscheidung, nochmal ganz von vorne …

doku.klasse 2017 – „Zwei gewinnt“

Die einen lesen im Urlaub Bücher, die doku.klasse bevorzugt Stoffe: Für die diesjährige Auswahl warfen sieben TeilnehmerInnen einen kritischen Blick auf die Shortlist der Bewerbungen. Vier Projekte standen in der Endrunde zur Auswahl und, das geben wir gerne zu, wir haben es den Jugendlichen nicht leicht gemacht.  Als Protokollant der Gespräche mit an Board: unser diesjähriger Praktikant Finn – jung, begabt und filmaffin. Seinen Eindruck der ersten Begegnung mit der doku.klasse hat er aufgeschrieben. So präzise, das wir diesen gerne teilen – und wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre!