2019/20

Mit diesen Stoffen haben die diesjährigen StipendiatInnen den Einzug in die doku.klasse 2019 geschafft.

If you love me (AT) | Rosa Hannah Ziegler

Protokoll einer fragilen Liebe. Katharina, 21, und Ben, 26, sind seit einem Jahr ein Paar. Sie, verantwortungsbewusst und zielstrebig, ist gelernte Kinderpflegerin und will ihr Abitur nachholen. Er, impulsiv und unberechenbar, kann sich schlecht Autoritäten unterordnen und verliert regelmäßig seinen Job. Zwei mit einer schwierigen Kindheit, die sich nach Halt und Anerkennung sehnen. Bei sich und bei anderen. Katharina findet auf dem Videoportal TikTok eine Bühne, wo sie für ihre fast tausend Follower*innen lippensynchron Lieder singt. Ben sticht Tattoos, zeichnet und schreibt Gedichte. Als Katharina eine Fehlgeburt erleidet, geht ein tiefer Riss durch die Beziehung. Für Ben zerplatzt der Traum von einer eigenen Familie, Katharina sucht Abstand. Ein Umzug nach Stendal soll nun die Wende bringen. Alles auf Anfang. Aber kann ein neuer Ort ihre Liebe retten? 

 

“Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen” (AT) | Jonas Heldt

Für Seda bedeutet ihr Job Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Nicht mehr nach den Regeln ihrer Familie leben müssen. Statt heiraten und Kinder erziehen, rausgehen und heimkommen wann sie will. Die 20-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln arbeitet als Leiharbeiterin in einer Audi-Fabrik in Ingolstadt und sortiert Autoteile, die von den Robotern verbaut werden. Der Status im Werk ist bereits an der Farbe der Kleidung erkennbar. Seda hat eine neongelbe Weste an, die „echten“ Audianer mit Anspruch auf bezahlten Urlaub und Qualifizierungsprogramme tragen weiß. Über die Zukunft ihrer Beschäftigung macht sich die junge Frau keine Illusionen: Es gibt keine. Bald werden in menschenleeren Hallen Roboter für Roboter arbeiten. Seda verliert ihren Job und ihr wird beim Arbeitsamt nahe gelegt, doch zumindest einen Gabelstapler-Führerschein zur Qualifikation zu machen. Doch schon bald werden auch die Stapler autonom und ohne Fahrer ihre Arbeit erledigen. Der VW-Mutterkonzern in Wolfsburg hat nach der Dieselkrise die Direktive ausgegeben, 5.000 Stellen in Ingolstadt zu digitalisieren. Doch Seda kämpft für ihre Chance in einer Arbeitswelt der Automatisierung. Für einen festen Job. Für ihre Unabhängigkeit.