„DREAMS FOR A BETTER PAST“: Die große Klappe geht an Albert Kuhn

Freitag, 6. November 2026

„Wir können nicht in die Zukunft schauen, ohne dass wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen“: Die GROSSE KLAPPE 2026 geht an DREAMS FOR A BETTER PAST (NL/SP) von Albert Kuhn.

Der vom europäischen Verband für Kinder- und Jugendfilm (ECFA) ausgelobte Preis für den europäischen Kinderdokumentarfilm geht an LA PETITE ÉCOLE (FR, 2025) von Alice Voisin.

Bei der Preisverleihung der 25. Festivalausgabe von doxs! verlieh die diesjährige Jugendjury dem Film DREAMS FOR A BETTER PAST (2025) von Albert Kuhn die GROSSE KLAPPE. Der europäische Filmpreis für politischen Kinder- und Jugenddokumentarfilm wurde dieses Jahr zum 16. Mal vergeben.

Die GROSSE KLAPPE ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gestiftet.

Welchen Filmen möchten wir eine Plattform geben? Welches Zeichen möchten wir setzen? In der Entscheidung um den Gewinnerfilm standen diese Fragen während der Filmsichtung für die zwölf-köpfige Jugendjury an zentraler Stelle. In DREAMS FOR A BETTER PAST enträtselt Albert Kuhn seine über Generationen von Schweigen behaftete Familiengeschichte, indem er Fotoalben durchkämmt und minutiös Home Video Aufnahmen seines Vaters analysiert. Nach und nach legt der Film einen Konflikt frei, der über drei Generationen in der NS-Vergangenheit des Großvaters wurzelt. Mit seiner investigativen Arbeit bricht Albert Kuhn das Schweigen.

Eine Familiengeschichte wird zu einem Stück Erinnerungskultur und steht beispielhaft für eine Vergangenheitsaufarbeitung, an die die Jugendjury persönlich anknüpft. Insbesondere in Zeiten, in denen politische Meinungen und Ideologien auch in der eigenen Familie großes Konfliktpotenzial bergen. „Aus einem Einzelbeispiel lässt sich ein Umgang mit unserer kollektiven Vergangenheit ableiten“, so die Jury in ihrer Begründung. „Wir können nicht in die Zukunft schauen, ohne dass wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen und sie reflektieren.“

Eine lobende Erwähnung von der Jury erhielt die niederländische Produktion KUS KUS BENG BENG von Ollie Launspach. In seinem Abschlussfilm fragt der Filmschaffende seine Freundin Sterre Mulder, wie sie seine Transition erlebt, und stößt dabei vor allem auf seine eigenen Unsicherheiten. „Durch die Nutzung von Archivmaterial, Tagebucheinträgen und Interviews, sowie die einzigartige Perspektive und der für uns besonders ansprechende Schnitt, wird die Gefühlswelt auf eine sehr persönliche Art dargestellt.“, schreibt die Jugendjury in ihrer Begründung.

Aus dem diesjährigen Festivalprogramm gingen elf europäische Produktionen ins Rennen um die GROSSE KLAPPE. Die Auszeichnung entsteht in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und ehrt Dokumentarfilme, die junge Zuschauer*innen ansprechen und zugleich ästhetische und politische Debatten anstoßen.

Der zweite Festivalpreis beim 25-jährigen Jubiläum von doxs!, der ECFA Documentary Award ging in diesem Jahr an LA PETITE ÉCOLE (FR 2025) von Alice Voisin. „La petite école”, die kleine Schule – damit gemeint ist die Notunterkunft Ivry-sur-Seine, eine Zwischenstation für Geflüchtete.

In dieser Schule auf Zeit finden die Kinder einen Anker in ihrem unbeständigen Leben. „Der Filmemacherin gelingt es, die Neugier, Kreativität und den Eifer der Kinder einzufangen, während sie ihnen als stille Freundin zur Seite steht. Sie unterstützt sie geduldig dabei, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.“, heißt es in der Juryerklärung.

Die Jury würdigte insbesondere die einfühlsame und konsequent an der Perspektive der Kinder orientierte Erzählweise des Films. Ohne auf großes Drama zu setzen, schaffe es Alice Voisin mit „La petite école“ „Raum für die Realitäten von Kindern auf der Flucht in einer Welt mit Millionen von Geflüchteten“ zu schaffen.

Der ECFA Documentary Award würdigt seit 2016 inhaltlich und ästhetisch hochwertige dokumentarische Produktionen für Kinder und wurde dieses Jahr zum achten Mal in Duisburg verliehen. Die Jury mit Teodora Minea (Rumänien), Mariella Harpelunde Jensen (Dänemark) und Lina Paulsen

(Deutschland) konnte zwischen 13 nominierten Filmen aus dem Festivalprogramm wählen, die sich an die Altersgruppe der Vier- bis Zwölfjährigen richtet.

Die Preisverleihung fand im voll besetzten Filmforum Duisburg statt und wurden von den Schüler*innen aus der diesjährigen Jugendjury moderiert.