doxs! programm

doxs! programm

16 Jahre doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche

Sehen und reden, widerreden und überreden: Eine Woche lang feiern wir das Kino als Ort der Konzentration und Resonanz. Mit Filmen, die uns mitnehmen – auf die Jagd, auf die Straße, auf eine Insel; die unseren Blick im globalen Gewimmel für das Wesentliche schärfen. Im Fokus: die heterogene Lebenswirklichkeit von jungen Menschen. Ihre Augen sind unsere Leinwand. Schauen Sie nicht vorbei, sondern nehmen Sie Platz.

Darauf freuen wir uns und dazu laden wir herzlich ein!
Das doxs! Team

Ausführliches Programm als PDF zum Download.
Anmeldungen für Schulklassen unter 0203 / 283 – 4379 oder office@do-xs.de (Alissa Larkamp).


Dienstag, 7. November 2017

08:45 Uhr
ab 10

Tungeskjærerne
Die Zungenschneider

NO 2017, 85 min., Solveig Melkeraaen

Aus einem Fischkopf die Zunge herausschneiden? Da muss Ylva ihren ganzen Mut zusammennehmen. Ihre Mutter war als Kind „Zungenschneiderin“ und wünscht sich, dass Ylva diese Tradition fortführt. 1.500 Kilometer fährt die Neunjährige dafür von Oslo in den Norden. „Es ist eine Art Hobby, für das man bezahlt wird.“ Tobias bringt ihr die Technik bei – und bald wird klar: Das Großstadtmädchen und der Provinzjunge haben mehr gemeinsam, als sie denken.

11:00 Uhr
ab 14

Sulukule Mon Amour

TR 2016, 6 min., Azra Deniz Okyay

Wenn Gizem und Dina in den Straßen tanzen, tanzen sie für sich selbst – und für die Freiheit. Sie leben in Sulukule, einem alten Roma-Viertel in Istanbul, das abgerissen wird. Die Nachbarschaft zerfällt, das macht die Mädchen wütend. Sie pfeifen auf die Polizisten, die sie von den Plätzen vertreiben und auf die Tradition, die Frauen in den Haushalt verbannt. „Tanz ist meine Erlösung.“

MON DE KOMMER OM NATTEN
THE WAIT

DK 2016, 59 min., Emil Langballe

Ihre Freundinnen unterhalten sich darüber, was sie in einem Monat machen. Rokhsar weiß nicht einmal, was morgen ist. Die 14-Jährige ist 2010 aus Afghanistan nach Dänemark geflüchtet. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, jeden Augenblick kann die Polizei sie holen. Rokhsar geht zur Schule und kommuniziert mit Anwälten und Behörden – sechs Jahre lang. Warum sie um drei Uhr morgens noch auf Facebook ist? „Ich würde gerne schlafen. Aber ich habe Angst.“

15:00 Uhr
ab 8

SCHAU IN MEINE WELT!
VI IM SCHWIMMENDEN DORF

DE 2016, 25 min., Bernadette Hauke

Wenn Vi ihre Großeltern besucht, muss sie immer erst in ein Boot steigen. Die 13-Jährige Vietnamesin lebt in einem Dorf, das auf Regentonnen und Pfählen gebaut ist. Oft schon ist sie ins Wasser gefallen und hat sich damit in große Gefahr gebracht, denn Vi kann nicht schwimmen. Endlich erfüllt sich ihr größter Wunsch: Vi besucht einen Kurs und beginnt, ihre Angst vor dem Wasser zu verlieren.

RAFFAELO IN HET WILD
RAFFAELO IN DER NATUR

NL 2016, 16 min., Rachel Visscher
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG

Für Raffaelo ist Freek Vonk der Größte. Der Biologe ist in Holland bekannt für seine Tierreportagen, Raffaelo verpasst keine Folge. Wie sein großes Vorbild will der Achtjährige später einmal tief in die Wildnis eintauchen und der Natur ganz nahe sein. Wäre da nicht dieses eine Problem: Raffaelo hat Angst vor Fröschen. Kann er trotzdem Biologe werden? „Wenn du keine Träume hast, besitzt du gar nichts.“


Mittwoch, 8. November 2017

08:45 Uhr
ab 4

DOKUS FÜR KITAS
Filme von Harun Farocki

Mit freundlicher Unterstützung des NDR/Sesame Workshop

Mit Kino kann es nicht früh genug losgehen. In unserem Programm für Vorschulkinder wartet auf das junge Publikum eine Welt voller Wissen, Witz und Fantasie. Da fahren in Dock Schiffe in einen Hafen, aus dem das Wasser abgelassen wird. Die Einschlafgeschichten zeigen Dinge, die gibt’s gar nicht – oder etwa doch? Und was passiert eigentlich mit dem Geld, das in der Kasse eines Kiosks landet? Der Weg des Geldes verrät es.

DOCK
DE 1973, 2 min., Harun Farocki, Hartmut Bitomsky
DER WEG DES GELDES
DE 1973, 3 min., Harun Farocki, Hartmut Bitomsky
EINSCHLAFGESCHICHTEN
DE 1977, 6 & 3 min., Harun Farocki

10:30 Uhr
ab 12

Von SchülerInnen kuratiertes Programm, in Kooperation mit dem Kulturrucksack NRW.

NAOMI’S GEHEIM
NAOMIS GEHEIMNIS

NL 2016, 16 min., Saskia Gubbels

Nie hat Naomi jemandem davon erzählt. Dass ihre Mutter drogenabhängig ist und unter Psychosen leidet. Dass sie als Kind oft nachts vor Coffeeshops wartete oder allein zuhause zurückgelassen wurde. Dass sie zum Großteil bei ihrer Tante aufwuchs. Die 17-Jährige schämte sich für ihre dunkle Geschichte. Doch jetzt öffnet sie die Tür zu ihrem Geheimnis. Mit ihrem besten Freund Sam besucht sie ihre Mutter.

HALLO SALAAM

NL 2016, 15 min., Kim Brand

Ein Feld von Rettungsjacken erstreckt sich vor Merlijn (11) und Sil (10). So etwas haben die beiden Holländer noch nie gesehen. Sie sind für vier Tage auf der Insel Lesbos in einem Flüchtlingscamp und wollen etwas für die Kinder dort tun. Schnell kommen sie mit Jungs in ihrem Alter ins Gespräch: „Willst du nach dem Krieg zurück nach Syrien?“ „Natürlich!“ Und wenn sie auf Englisch nicht weiterkommen? Hilft das Sprachprogramm auf dem Smartphone.

THEA

NO 2016, 14 min., Halvor Nitteberg

„Was ist eine Hexe (witch) auf einem Sandstrand? Ein Sandwich.“ Thea liebt Witze. Wenn in ihrem Kopf aber der Sturm losbricht, muss alles schnell gehen. Notarzt, Hubschrauber, Krankenhaus. Die Zwölfjährige leidet unter Epilepsie, Nach ihren Anfällen kann sie sich an nichts erinnern. Theas Freunde wissen von ihrer Krankheit und stehen zu ihr. Was sie von ihnen unterscheidet? „Dass ich oft in der Klinik bin und jeden Tag Medikamente nehmen muss.“

14:15 Uhr
ab 8

JESSER EN HET SUIKERRIET
JESSER UND DAS ZUCKERROHR

NL 2016, 15 min., Godelieve Eijsink

„Wir leben in einem Zuckerrohr-Gefängnis – und ich plane den großen Ausbruch“, scherzt Jesser. Eigentlich ist dem Elfjährigen nicht zum Lachen zumute. Die Arbeit auf den riesigen Plantagen, die seine Heimat in Nicaragua überziehen, macht die Bauern krank. Auch sein Vater schuftete einst in Hitze und Staub und ist jetzt arbeitsunfähig. Das Problem: Zuckerrohr ist die einzige Einnahmequelle. Aber gibt es nicht vielleicht doch eine Alternative? Jesser hat eine Idee.

DET TRYGGE HUSET
DIE ZUFLUCHT

NO 2016, 10 min., Robin Jensen
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG

Plötzlich blieb keine Zeit mehr. Ein paar Sachen packen, raus aus der Wohnung und rein ins Frauenhaus. „Hier fühlten wir uns sicher.“ Mikael und vier andere Kinder und Jugendliche beschreiben, wie der Konflikt zwischen ihren Eltern eskalierte – und sie mit ihren Müttern Schutz und Ruhe fanden in einem öffentlichen Wohnheim. „Erst dachte ich, der Streit sei meine Schuld, aber hier lernst du, dass das nicht so ist.“


Donnerstag, 9. November 2017

08:45 Uhr
ab 12

DAUGHTER OF GUANG NAN
GUANG NANS TOCHTER

CN, NO 2016, 14 min., Michael Mellemløkken

DAUGHTER OF GUANG NAN - GUANG NANS TOCHTERYanxuan liebt Musik und sieht sich in ihrer Freizeit gerne Videos ihrer Stars auf dem Smartphone an. Bald hat sie Geburtstag. Ihr größter Wunsch ist es, mit der Familie zu feiern. Beide Eltern arbeiten weit entfernt von ihrem Bergdorf in Südchina: „Wir verdienen Geld, damit du zur Schule gehen kannst.“ Kein wirklicher Trost für eine Elfjährige.

HALLO SALAAM

NL 2016, 15 min., Kim Brand

HALLO SALAAMEin Feld von Rettungsjacken erstreckt sich vor Merlijn (11) und Sil (10). So etwas haben die beiden Holländer noch nie gesehen. Sie sind für vier Tage auf der Insel Lesbos, um Geflüchtete zu unterstützen. „Ich stelle es mir hart vor, wenn dein Haus plötzlich nicht mehr steht.“ Schnell kommen sie mit Jungs in ihrem Alter in Kontakt und spielen mit ihnen „Schere, Stein, Papier“. Und wenn sie auf Englisch nicht weiterkommen? Hilft das Sprachprogramm auf dem Smartphone.

THE RABBIT HUNT
DIE KANINCHENJAGD

US, HU 2017, 12 min., Patrick Bresnan

THE RABBIT HUNT - DIE KANINCHENJAGDSobald die Zuckerrohrfelder brennen, beginnt für Chris die Jagd. Die Kaninchen versuchen, dem Feuer zu entkommen, der 17-Jährige und die anderen Jungs rennen hinterher. Mit bloßen Händen fangen sie die Tiere und erschlagen sie mit ihren Stöcken. Es ist eine Mischung aus Sport und Initiationsritual für die jungen Männer – und eine Einnahmequelle. Jobs sind rar in den Everglades in Florida.

10:45 Uhr
ab 16

JOE BOOTS

DE 2017, 31 min., Florian Baron

JOE BOOTSAlles lief normal für Joe. So normal, wie es laufen kann für einen kaum 20-Jährigen, der im Irak für die US-Army kämpft. Bis zur ersten Bombenexplosion direkt neben ihm. Körperlich blieb Joe unverletzt, doch in ihm drin zerbrach etwas, unbemerkt, unsichtbar. Zuhause in Pittsburgh ging es dann los mit Ausrastern und Depressionen. „Manchmal wünschte ich mir, sie hätten mir die Arme weggeschossen – damit jeder sehen kann, dass mit mir etwas nicht stimmt.“

MA FILLE NORA
MEINE TOCHTER NORA

BE, FR 2016, 16 min., Jasna Krajinovic

MA FILLE NORA - MEINE TOCHTER NORASamira findet keine Ruhe. Ständig ist sie in Sorge, wie es Nora geht, ob sie überhaupt noch lebt. Ihre Tochter hat sich von Belgien nach Syrien abgesetzt, um sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Samira fährt zur türkisch-syrischen Grenze, weil sie hofft, Nora dort zu treffen. Über Skype gelingt ein kurzer Kontakt – mit einem fremd gewordenen, fanatisierten Mädchen voller Misstrauen.

13:00 Uhr
ab 14

#YOUAREWELCOME

Ohne Sprache, nur mit der Ausdruckskraft von Bildern arbeitet das Programm für Integrationsklassen. Die ausgewählten Filme spielen mit der Wahrnehmung und greifen tief in die Trickkiste des Kinos. In Ljubljana Ronde verwandelt sich ein einfaches Touristenpaar in ein geheimnisvolles Duo, dem alles zuzutrauen ist, während in When Time Moves Faster ein Fuß-Film erfunden wird. Monumental wird es in Figura: Die größte Papststatue der Welt schwebt ihrem Zielort entgegen. Nach einer Reise zum Wald macht das Programm einen kurzen Ausflug in die Filmgeschichte und gibt den Bildern das letzte Wort: Goodbye!

LJUBLJANA RONDE
AT 2016, 3 min., Peter Roehsler
FIGURA
Pl, BE 2015, 9 min., Katarzyna Gondek
WHEN TIME MOVES FASTER
AT, CA 2016, 7 min., Anna Vasof
REISE ZUM WALD
DE 2008, 7 min., Jörn Staeger
GOODBYE
AT 2013, 3 min., Karin Fisslthaler


Freitag, 10. November 2017

10:00 Uhr

DOXS! PREISVERLEIHUNG

Filmpreis für Europäischen Kinder- und Jugenddokumentarfilm
Bester Europäischer Kinderdokumentarfilm

Mit zwei Auszeichnungen würdigt das Festival herausragende Dokumentarfilme des diesjährigen Programms. Eine Jugendjury vergibt den europäischen Filmpreis GROSSE KLAPPE, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung und mit 5.000 Euro dotiert. Zum zweiten Mal in Duisburg überreicht wird der ECFA DOC AWARD für den besten europäischen Kinderdokumentarfilm. Dieser wird von einer internationalen Fachjury auf dem Festival ausgewählt.

Die Mitglieder der Jugendjury präsentieren die Preisträgerfilme und führen durch die Veranstaltung.

13:30 Uhr
ab 16

DU WARST MEIN LEBEN

DE 2017, 45 min., Rosa Hannah Ziegler
FESTIVALPREMIERE

DU WARST MEIN LEBENEin Wiedersehen mit Blick aufs Meer. Nach Jahren der Funkstille trifft sich Yasmin mit ihrer Mutter Eleonore. Alles kommt auf den Tisch: Die Nächte, die Yasmin mit ihrem Bruder allein war, während die Mutter sich mit Drogen betäubte, aber auch Eleonores eigenes schweres Kindheitstrauma. Eine Begegnung reich an Vorwürfen, Rechtfertigungen, Schweigen, Verzweiflung – und der Sehnsucht, endlich zu verstehen, einander verzeihen zu können.

DOKU.KLASSE 2017 – 4. JAHRGANG

Wie sieht ein Drehbuch für eine Doku aus? Wie überzeuge ich mit einer Filmidee? FilmemacherInnen stellten ihre Exposés zur Verfügung, um sie vor Beginn der Dreharbeiten mit Jugendlichen aus dem Ruhrgebiet zu diskutieren. Anlässlich der Präsentation von Du warst mein Leben, einem Stoff aus der doku.klasse 2016, öffnen sich die Türen des Ateliers und erlauben einen Blick hinter die Kulissen dokumentarischer Filmproduktion.


Sonntag, 12. November 2017

15:30 Uhr
ab 10

TUNGESKJÆRERNE
DIE ZUNGENSCHNEIDER

NO 2017, 85 min., Solveig Melkeraaen

Vorstellung für Familien in Kooperation mit dem filmforum Duisburg.
Informationen unter www.filmforum.de

TUNGESKJÆRERNE - DIE ZUNGENSCHNEIDERAus einem Fischkopf die Zunge herausschneiden? Da muss Ylva ihren ganzen Mut zusammennehmen. Ihre Mutter war als Kind „Zungenschneiderin“ und wünscht sich, dass Ylva diese Tradition fortführt. 1.500 Kilometer fährt die Neunjährige dafür von Oslo in den Norden. „Es ist eine Art Hobby, für das man bezahlt wird.“ Tobias bringt ihr die Technik bei – und bald wird klar: Das Großstadtmädchen und der Provinzjunge haben mehr gemeinsam, als sie denken.