mission

Let there be doxs!

Die Idee war brillant, aber sie war nicht von uns. Die Gründung von doxs! vor sechzehn Jahren war Ergebnis eines leicht neidischen Schielens auf das Eldorado des Kinderdokumentarfilms: die Niederlande. 2002 sorgte der Begriff „Kinderdokumentarfilm“ in der deutschen Filmszene noch für Achselzucken. Ganz anders die Lage bei unseren Nachbarn: Dort wurde schon seit Jahren erfolgreich ein Wettbewerb ausgerichtet, der die Produktionslandschaft deutlich aufmischte. Dokumentarische Filmkultur für die nächste Generation, politisch mutig und ästhetisch fantasievoll: Das wollten wir auch!

Freshness, Realness, echt jetzt? Sechzehn Jahre später sind die Rahmenbedingungen der Produktion und Rezeption von bewegten Bildern kaum wiederzuerkennen. Digitalisierung und soziale Netzwerkkommunikation erfinden neue mediale Spielregeln – und unsere Zielgruppe ist mitten drin. Ihr Medienverhalten verändert sich ständig und mit ihm die Imagination dessen, was wir uns unter „Publikum“ vorstellen. Dieser Wandel fordert die pädagogischen Diskurse genauso heraus, wie die etablierte Fernseh- und Kinolandschaft. Was tun?

Nicht abholen, sondern schon mal vorgehen. Intelligente Partizipationsformen sind die Kunst der Stunde. doxs! entwickelt Pilotprojekte zur Filmbildung und frische kollaborative Produktionsansätze in der Zusammenarbeit mit jungen Zielgruppen. Prüft Neues, reagiert auf Aktuelles, ohne das Bewährte vorschnell über Bord zu werfen. Dabei setzen wir auf die Kraft des Kinos als Raum für Konzentration und Resonanz.

Während besorgte Stimmen das Fernsehen und die Leinwand für tot erklären, sucht doxs! mit kreativen Allianzen den Blick nach vorne. Ob mit dem WDR, ZDF/3sat oder Deutschlandfunk Kultur – eine lebendige Medienkultur für junge Menschen ist möglich. Und trifft einen Nerv: Die kritische und unmittelbare Auseinandersetzung mit Bildern der Welt ist kein Auslaufmodell und mehr als eine medienpädagogische Pflichtübung. Kinder und Jugendliche entdecken bei doxs! die Lust am Schauen und die Begeisterung am Austausch darüber. Mit Ästhetiken, die aus der Reihe tanzen und Erzählungen, die die Perspektive wechseln. Mit Angeboten, die das Publikum mit einbeziehen und zum Akteur und Ideengeber machen.

doxs! bringt die Jugendlichen und Kinder mit den Kreativen zusammen. Bei der Konzeption, am Set, im Schneideraum – und im Kino. In der Tradition der Duisburger Filmwoche, aus der doxs! hervorging, tauschen sich die RegisseurInnen und ZuschauerInnen nach jeder Vorführung intensiv miteinander aus. Das Kino wird zu einem Kommunikationsraum, in dem kommentiert, beurteilt und gestritten wird. Ein soziales Netzwerk im Kleinen, offen für den Anschluss an die Welt.

Über die Jahre hat sich doxs! kontinuierlich weiterentwickelt. Seit 2011 wird die Filmauswahl von der Bundeszentrale für politische Bildung mit einem europäischen Filmpreis GROSSE KLAPPE unterstützt. Mit dem ECFA Documentary Award kam 2016 in Zusammenarbeit mit der European Children’s Film Association eine weitere Auszeichnung hinzu. Das Festival strahlt nach Europa aus und macht zeitgleich in Deutschland Schule: Der Kinder- und Jugenddokumentarfilm ist mittlerweile auch hierzulande kein Fremdwort mehr, sondern fester Bestandteil in der Programmplanung von Festivals.

Bilder bilden. Aber Bild ist nicht gleich Bild. Vermittlung, ob im Kino oder im Klassenzimmer, ist ein Kernthema von doxs!. Bereits 2004 startete die Zusammenarbeit mit Duisburger Schulen, aus der bis heute eine Vielzahl an Initiativen im Bereich Filmbildung und Medienkompetenz entstanden ist. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei Projekten an Förderschulen oder mit jungen Menschen aus sozial benachteiligten und geflüchteten Familien.

Von der Projektion zur Produktion: Seit 2007 fügt doxs! fremden Filmen eigene hinzu. Das gemeinsam mit der dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW initiierte Projekt dok you hebt die Idee der Partizipation von jungen Menschen an der Produktion auf ein neues Level. In Kooperation mit dem WDR und zehn Schulen in NRW entstanden die ersten nicht-formatierten Kinderdokumentarfilme fürs deutsche Fernsehen sowie die multimediale Bildungsplattform www.dokmal.de.

Mit ZDF/3sat, dem Grimme-Institut und der FSF Berlin denkt doxs! das Kollaborations-Prinzip noch einen Schritt weiter: In der doku.klasse sind Jugendliche bereits im Stadium der Stoffentwicklung an der Entstehung eines Dokumentarfilms beteiligt. Seit 2016 hat eine Shortlist der FilmemacherInnen zudem die Chance, ihre Stoffe als Feature für den Deutschlandfunk Kultur zu realisieren. Eine trimediale Liaison aus Fernsehen, Kino und Hörfunk, mit der doxs! den Spielraum medienübergreifenden Erzählens und Rezipierens erforscht.

Hand auf’s Herz: Und wie geht’s weiter? Partizipativ, crossmedial und immer smart in der Cloud von unterwegs? Mag sein. Zumindest eins ist sicher:

There is always a next generation!